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  <title>Neuheiten</title>
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  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/tuv/unter-wasser-atmen.-das-zweite-leben-des-nils-jent">
    <title>Unter Wasser atmen. Das zweite Leben des Nils Jent</title>
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    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3><b>Am Limit und darüber hinaus</b></h3>
<p>Eindrücklicher Dokumentarfilm von Andri Hinnen und Stefan Muggli über Nils Jent, eine grossartige Person, die Respekt erheischt und Mut macht.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/an%20treppe.jpg/@@images/image/large" /></p>
<p>Im Familienfilm-Archiv der Familie Jent finden sich Bilder eines kräftigen, strahlenden jungen Mannes, der Bewegung liebte und waghalsig vom Turm ins Wasser springt. Bis sich eines Tages alles änderte. Bei einem Motorradunfall verliert er 1980 beinahe sein Leben. Nach einem achtminütigen Herzstillstand liegt der damals 18-Jährige vier Wochen im Koma und findet sich danach, vollständig gelähmt, der Sprache beraubt und erblindet, in einer neuen, anderen Existenz. Er hat das sogenannte Locked-in-Syndrom.</p>
<p>Dass selbst in einem solchen Leben Platz für Freude und beruflichen Erfolg sein kann, zeigt der Film «Unter Wasser atmen. Das zweite Leben des Dr. Nils Jent» der Schweizer Regisseure Andri Hinnen und Stefan Muggli eindrücklich. Schritt für Schritt, mit unbändiger Willenskraft und Geduld, kämpft sich Nils ins Leben zurück. Er lotet die Grenzen seines Körpers aus, geht ans Limit und darüber hinaus. Er setzt konsequent auf das, was unversehrt geblieben ist: seine Intelligenz.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/badend.jpg/@@images/image/large" /></p>
<p><i>Ein Junge voller Lebenslust und Tatendrang</i></p>
<h3><b>Maturand, Doktor, Professor</b></h3>
<p>Aufgrund des sonderbaren Benehmens des Pflegepersonals merkte Jent, dass die Ärzte bei ihm von einer geistigen Schädigung ausgingen. Dem war jedoch nicht so. Bald schon fing er an, mit dem Vater und später den Ärzten Schach zu spielen, indem er den mitgeteilten Spielstand memorisierte. Er schlug alle seine Gegner und signalisierte damit seinen klaren Geist und dessen grosses Potenzial. Aus dem Krankenhaus entlassen, legte Jent einen unbändigen Willen an den Tag und machte gegen alle Widrigkeiten die Matura in Schiers.</p>
<p>Wie etwa soll ein blinder, sprech- und mobilitätsbehinderter Mann in eine Schulklasse integriert werden? Dank seines Willens und seiner bestechenden Intelligenz, aber auch dank der bedingungslosen Unterstützung und Liebe seiner Eltern, der Lehrpersonen und der Mitschüler rücken Nils‘ Ziele langsam näher. Er macht die beste Matura der Schule. Dann studiert er Betriebswissenschaft an der Universität St. Gallen, doktoriert und ist heute am Institut für Diversity-Forschung tätig. Zudem schafft er es, mithilfe eines Stocks wieder zu laufen. Doch nebst den vielen Fortschritten muss Jent auch Rückschläge verkraften. Mitten im Aufbau des Kompetenzbereiches Diversity an der HWS erleidet er einen Hirnschlag, der ihn sehr entmutigt. Doch auch diesen Schicksalsschlag überwindet er.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/eltern.jpg/@@images/image/large" /></p>
<p><i>Jens‘ Eltern im Totaleinsatz</i></p>
<h3><b>Bilder, die Mut machen</b></h3>
<p>Diese faszinierende und ergreifende Geschichte erzählt von den verborgenen Fähigkeiten des Menschen anhand eines ausserordentlichen und eindrücklichen Beispiels. Was dieser Nils Jent, trotz seiner schwersten Behinderung, geschafft hat, ist kaum zu glauben. Seine Geschichte regt an, nachzudenken und zu forschen, wie die Gesellschaft als Ganze Behinderte besser integrieren kann, wie, im Sinne der Diversity-Forschung, Können und Nichtkönnen, Qualitäten wie Defizite, in Arbeitsteams kreativ genutzt werden können.</p>
<p>Eigentlich war über Jent nur ein kurzer Film geplant. Doch schon bald merkte das junge Regiegespann Andri Hinnen (*1985) und Stefan Muggli (*1984) jedoch, dass dieser dem Thema nicht gerecht würde. So erweiterten sie das Projekt und auch den Zeithorizont ihrer Arbeit. Die beiden fingen zunehmend an, auch ohne Kamera Zeit mit Jent zu verbringen, um seine Person und seinen Alltag besser kennenzulernen. Das entgegengebrachte Vertrauen ist im Film deutlich spürbar. Zusätzlich hatten sie das Glück, dass Jents Leben vor dem Unfall durch die Super-8-Filme seines Vaters wesentlich anschaulicher sind als die sonst üblichen Fotos. «Unter Wasser atmen» ist ein einfacher Film. Doch heisst das hier: ein klarer, ein durchsichtiger, ein gradliniger, ein eindeutiger, ein konsequenter, ein selbstverständlicher Dokumentarfilm. Der kluge Einsatz der Metapher mit der Wasserschildkröte gibt ihm zudem eine Dimension, die weit über den konkreten Fall hinaus geht. Diese existenzielle Dimension berührt jeden und jede. Der Film stösst über die Frage nach der Verlangsamung zur Frage vor: Was ist der Menschen? Dieser, vom äusseren Aufwand und vom Einsatz der formalen Mittel her gesehen, kleine Film ist, seiner reinen Form und ehrlichen Moral wegen, ein ausserordentlicher, ein grosser Film.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/schildkrote.jpg/@@images/image/large" /></p>
<p><i>Kann der Mensch im Wasser atmen? Das ist hier die Frage.</i></p>
<p>Kurze Zeit ist Röbi Koller bei Nils Jent im Film zu sehen. Er hat die Biografie von Dr. Nils Jent in Buchform herausgegeben. Dieses separate, höchst informative Projekt ergänzt den Film. Brigitte Poltera hat das Buch beim Erscheinen für Seniorweb (www.seniorweb.ch/type/magazine-story/2011-09-28-dr-nils-jent-ein-leben-am-limit) besprochen. Verdientermassen erhielt «Unter Wasser atmen. Das zweite Leben des Dr. Nils Jent» am letzten Zürcher Film Festival den Publikumspreis und wurde Nils Jent zum Schweizer des Jahres nominiert und kam, hinter Didier Cuche, auf den ehrenvollen zweiten Platz.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/uni-zurich.jpg/@@images/image/large" /></p>
<p><i>Der Dozent mit persönlichen Erfahrungen in Diversität</i></p>
<h3><b>Ein Statement der Filmemacher</b></h3>
<p>Als wir Nils Jent vor etwas mehr als zwei Jahren kennenlernen durften, hat er uns mit seiner Offen- und Andersartigkeit sofort in seinen Bann gezogen. Wir wollten mehr über ihn und seine einzigartige Lebensgeschichte erfahren und beschlossen, ihn mit unserer Kamera zu begleiten und bei seiner Arbeit als Botschafter von Arbeitnehmern mit Behinderung zu unterstützen. Anfänglich war es schwierig, die Kamera zwischen uns zu vergessen, den Menschen «dahinter» kennenzulernen. Und als wir, wie in unserem Zeitplan vorgesehen, nach einem achtmonatigen Dreh mit dem Schnitt beginnen wollten, mussten wir feststellen: Noch immer kannten wir Nils Jent kaum. Zu facettenreich war seine Geschichte, zu wenig greifbar sein Alltag.</p>
<p>Wir entschieden uns, Nils und seine Mitmenschen ein weiteres Jahr zu begleiten, in guten wie in schwierigen Zeiten. Dabei haben wir von Nils gelernt, wie er geduldig zu sein, uns auch für scheinbar einfache Aufgaben die nötige Zeit zu nehmen und in kleinen, aber stetigen Schritten vorwärtszuschreiten, um unsere Ziele zu erreichen. Dies sind für uns persönlich die Kernthemen des Films: Wille, Optimismus und der Zwang zur Langsamkeit, ja die Notwendigkeit, sich Zeit zu nehmen. An der Universität wurde uns in der allerersten Vorlesung erklärt, dass in der Wirtschaftswelt nicht mehr das Credo gilt «Der Grosse frisst den Kleinen», sondern «Der Schnelle frisst den Langsamen.» In einer solch schnelllebigen Zeit, besonders an der Wirtschaftshochschule St. Gallen, war diese persönliche Entdeckung der Langsamkeit eine willkommene Abwechslung und bereichernde Entschleunigung.</p>
<p>Offizielle Film-Website: <a class="external-link" href="http://www.nilsjentfilm.ch/pages/home.php">www.nilsjentfilm.ch/pages/home.php</a></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    
      <dc:subject>Behinderung</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-05-16T15:10:13Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/tuv/virgin-tales">
    <title>Virgin Tales</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/tuv/virgin-tales</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><b>Die neue Keuschheitsbewegung</b></p>
<p>Evangelikale Christen in den USA rufen eine zweite sexuelle Revolution aus und propagieren Keuschheit als Gegenbewegung zu Gesinnungen und Praktiken der modernen Kultur. Der Film «Virgin Tales» von Mirjam von Arx schildert eine Musterfamilie dieser Bewegung.</p>
<p>Zugegeben, die heutige Sexualisierung der Gesellschaft kann Angst machen, ist an einem Punkt angelangt, von dem man gerne zurück möchte. Doch wie und wohin zurück? Die Schweizer Dokumentaristin hat in ihrem Film «Virgin Tales» eine ultrakonservative amerikanische Familie mit ihren Keuschheitsregeln porträtiert, der – auf unsere Situation übertragen und hinterfragt – sich auch als Beitrag zur aktuell geführten Diskussion der schulischen Sexualerziehung in der Schweiz eignet. Er schildert in hohem Masse objektiv und mit grosser Fairness, unvoreingenommen und respektvoll-zurückhaltend die Familie Wilson, die in den Staaten als Vorbild für die Purity Bewegung gilt.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/05.jpg/@@images/image/large" /></p>
<p><i>Auf einem Purity Ball</i></p>
<p>Das ethisch-politische Umfeld der Bewegung darf nicht ausser Acht gelassen werden: Von den Jugendlichen wird Keuschheit bis zur Ehe verlangt. Homosexualität und Selbstbefriedigung gelten als Sünde. Die Anhänger der Purity Bewegung sind für die Todesstrafe, gegen die Abtreibung und gegen multikulturelle Entwicklungen. Die Bibel wird wörtlich genommen, so findet sich darin auch das Gebot der Jungfräulichkeit. Die Bewegung ist gegen die Evolutionslehre, 40 % der Amerikaner sind heute Kreationisten. Bereits eine Million Kinder werden in den Familien, nicht in Schulen unterrichtet. Einen ähnlichen Virginitätskult gibt es bei den ultraorthodoxen Muslimen und eine ähnliche Homosexualitätsverleugnung bei den ultraorthodoxen Juden: eine gemeinsame Tendenz der drei Schriftreligionen also.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/08.jpg/@@images/image/large" /></p>
<p><i>Die Familie Wilson, die Musterfamilie der Bewegung<br /></i></p>
<h3><b>Eine zweite sexuelle Revolution</b></h3>
<p>Mirjam von Arx<i> </i>hat zwei Jahre lang die evangelikale Familie Wilson, Vorbild und Motor der Purity Bewegung, begleitet und Randy, Lisa und ihren sieben Kindern in Colorado Springs mit grosser Anteilnahme und Fairness das Worte gegeben. Sie fanden sich ehrlich abgebildet; das Publikum kann sich eine eigene Meinung bilden. Das Porträt der Familie darf auch als Porträt der Bewegung verstanden werden. Es gelobt in den USA bereits jedes achte Mädchen, «unbefleckt» in die Ehe zu gehen. Familien in vierzig US-Staaten beteiligten sich an den Purity Balls, bei welchen die Väter für ihre Töchter, manche erst vierjährig, ein Jungfräulichkeitsgelübte ablegen, um so mit dem «Konzept Jungfräulichkeit» ihre evangelikale Utopie zu verwirklichen.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/06.jpg/@@images/image/large" /></p>
<p><i>Randy Wilson, der Vorkämpfer der Bewegung</i></p>
<p>Die Anzahl Anhänger der internationalen Keuschheitsbewegung ist immens. Die World Evangelical Alliance vertritt nach eigenen Angaben 600 Millionen Christen in 128 Ländern. In den USA stellen die Evangelikalen bereits einen Viertel der Bevölkerung dar. In Deutschland sind es 1,3 Millionen, in der Schweiz etwa zwei Prozent, in gewissen Gebieten, Teilen des Emmentals oder Frutigtals, über 40 Prozent, Tendenz steigend. Gegen ein Viertel der US-Bevölkerung fühlt sich heute bereit, die zweite sexuelle Revolution auszurufen und setzt alles daran, die Jugend vor dem «Feind Sex» zu schützen.</p>
<p>Der politische Einfluss der neue Rechten, die mehrheitlich aus Evangelikalen besteht, wächst. Zu deren bekanntesten Vertretern in der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart gehören Sarah Palin von der Tea Party, Michele Bachmann, eine vehemente Kritikerin Obamas, der ehemalige Präsident George W. Bush und der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney<i>.</i></p>
<p><i><img class="image-inline" src="../../../../bilder/01.jpg/@@images/image/large" /></i></p>
<p><i>Tochter Lauren mit ihrem Mann, einem Berufsoffizier</i></p>
<h3>«Anmekungen der Regisseurin Mirjam von Arx» folgen in meiner Besprechung im Seniorweb am 5. Juni 2012.</h3>
<h3>«Keusch - und ein bisschen sexy. Wie Schweizer Evangelikale sexuelle Enthaltsamkeit predigen und ihre Moralvorstellungen gesetzlich verankern wollen» folgt in meiner Besprechung im Seniorweb am 5. Juni 2012.</h3>
<h3><i><br /></i></h3>
<p> </p>
<p> </p>
<p><i><br /></i></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2012-05-15T16:18:02Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/tuv/ufo-in-her-eyes">
    <title>UFO in Her Eyes</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/tuv/ufo-in-her-eyes</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><b>Im Sturm der Globalisierung</b></p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Ufo_00%20Abflug.jpg/@@images/image/large" />Ohne äusseren Anlass und aufgrund einer schieren Vermutung rückt ein Dorf in der chinesischen Provinz mit einem Mal ins Zentrum des öffentlichen Interesses, nachdem sich eine junge Dorfschönheit und der verheiratete Lehrer in der Natur draussen zum Turteln getroffen hatten. Dafür benötigten sie als Alibi und fanden es in einem Ufo, womit in der kommunistischen Kommune der Traum vom grossen Geld nach amerikanischem Muster begann. Das ausserirdische Flugvehikel, das die junge Frau erfunden hatte, zog Menschen und Medien an. Selbst die Dorfälteste liess sich vom Fieber der Globalisierung mitreissen, weil sie damit viel Geld zu verdienen hoffte. Während das Dorf in einen kapitalistischen Fieberrausch katapultiert wurde, ging bei der Bevölkerung alles drunter und drüber.</p>
<p><i><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Ufo_03%20-%20Lehrer.jpg/@@images/image/large" /></i></p>
<p>Die chinesische Schriftstellerin und Filmemacherin Xiaolu Guo, die 1973 selbst in der Provinz aufgewachsen ist und heute in London lebt, hat die Romanvorlage geschrieben und gleich selbst in eine turbulente Filmkomödie umgesetzt, in der sie die heutige Situation im Land mit augenzwinkerndem Schalk und der nötigen Distanz inszeniert. Mit dem Spielfilm «She, A Chinese» hat Guo vor drei Jahren in Locarno den Goldenen Leoparden geholt. Mit «Ufo In Her Eyes» demonstriert sie, wie gescheit Kinounterhaltung und wie unterhaltsam Arthousekino sein kann. 2009 gründet sie «die metaphysische Gewerkschaft des Kinos» in London und Peking, mit dem Zweck, ein freies Kino zu fördern, das sich nicht an Erzählkonventionen halten muss. Jetzt spielt sie bravoureus mit den filmischen Mitteln und den Publikumserwartungen und brilliert mit einem Schauspiel der Sonderklasse.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Ufo_05%20-%20Sponsor.jpg/@@images/image/large" /></p>
<h3><b>Big Mao trifft Big Mac</b></h3>
<p>Für viele Westler ist China das grosse Vorbild, dem sie nacheifern. Doch mit dem rasenden Tempo, mit dem sich das Land in den Umbruch bewegt, erwachsen ihm neben Vorteilen auch gravierende Nachteile: Verlust der Individualität, Untergang alter Werte, Entwurzelung und Heimatlosigkeit, Vergrösserung der Spanne zwischen Arm und Reich, Einschränkung demokratischer und humanitärer Freiheiten und Rechte. Angesichts solcher schwarzer Wolken am Himmel der Zukunft gedeihen in der Gesellschaft und bei der Filmemacherin die wildesten Träume und Fantasien. Alles was der Film mit seinen dokumentarischen und spielerisch improvisierenden Elementen zeigt, hat die Regisseurin am eigenen Leib erfahren. Sie war Zeugin des radikalen Wandels in der Geschichte Chinas, insbesondere der chaotischen Veränderungen der letzten fünfzig Jahre: vom Feudalismus zum Kommunismus und jetzt zum Kapitalismus.</p>
<p>Die ältere Generation kann dieser Entwicklung kaum mehr folgen und verbringt den Lebensabend in Schmerz und Wut. Die junge Generation langweilt sich in den Dörfern und will weg oder zieht in die Stadt. «Daran erinnere ich mich noch, weil ich es selbst so empfand – dieses unruhige Gefühl unter der trockenen Sonne auf den verlassenen Reisfeldern, wo uns keine Wahl für unser Leben blieb. Da gab es nichts ausser Armut und Unterdrückung, die von einer sehr strengen Tradition und einer noch viel strengeren, totalitären Gesellschaft ausging», meint die Filmemacherin und fügt kritisch an: «Ich habe oft den Eindruck, dass China ziemlich rasch vorwärts kommt, aber nicht auf chinesische, sondern auf amerikanische Weise.»</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Ufo_02%20-%20Hotel.jpg/@@images/image/large" /></p>
<p>Der Wandel betrifft die grossen Zentren, aber er dringt auch in die Provinz vor. Die Gegensätze zwischen einem bereits stark von kapitalistischen Grossstadtdimensionen geprägten Shanghai und den nach wie vor dominierenden kommunistischen, eher düster wirkenden Produktivitätszentren auf dem Land sind gross. Als Träume aber werden überall dieselben Aussichten verkauft.</p>
<p>«Ufo In Her Eyes» zeigt zwei Welten, die aufeinandertreffen, sich mitunter ausschliessen. Hier das halbwegs idyllische, eher ärmliche Landleben, in dem das Einheitstenu noch immer prägend wirkt, dort die Welt des Kaufens und Verkaufens, Produzieren und Konsumieren, in der alles seinen Preis haben muss. Xiaolu Guo inszeniert mit Humor und schrägen Zuspitzungen, wie der Ausverkauf im Kommunismus läuft und der Kapitalismus sein Unwesen zu treiben beginnt. Sie legt damit den Finger auf einen wunden Punkt im Wirtschaftswunder China: Nicht alle schaffen es, bei diesem Tempo mitzuhalten, und ob die Rechnung mit dem Vorgaukeln der Träume und dem Erwachen am  Morgen schliesslich aufgeht, wissen die Götter im Himmel von Mao.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Ufo_04%20rote%20Braut.jpg/@@images/image/large" /></p>
<p>Wer China auch nur ein bisschen kennt, wird überall in diesem Film auf Erinnerungsmomente stossen, wem es fremd ist, vermag Xiaolu Guo die gegenwärtige Situation im Land auf unterhaltsame, lockere Weise ein Stück weit näherbringen. Die Filmemacherin hat sich nie davor gescheut, auch an Tabus in ihrer Heimat zu kratzen. Und immer wieder präsentiert sie uns sonderbare Szenen, in denen man das Gefühl bekommt, mit den Ausserirdischen seien gar nicht etwa Kreaturen von anderen Planeten gemeint. Es reicht am Ort der Handlung eigentlich schon, dass jemand aus der Hauptstadt eintrifft oder gar aus einem anderen Land. Da trifft dann eben Big Mac auf Big Mao.</p>
<p>Wie so oft in der Kunst machen einem die Extreme einer Situation bewusst, was in der Normalität kaum hörbar, sichtbar und erkennbar ist. Künstlerinnen wie Xiaolu Guo gehen zeigen uns auf, wo wir uns befinden und wo es lang geht. Was sie an der Entwicklung in China aufzeigt, hat jedoch universelle Bedeutung, gilt für Europa, für die Schweiz. In der lustigen und witzigen Geschichte des Films zeigt uns Xiaolu Guo einen einzigen kleinen Menschen auf dem schwierigen Weg zum Überleben – ganz im Sinne eines modernen Sisyphos.</p>
<p><a class="external-link" href="http://www.trigon-film.org">www.trigon-film.org</a></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    
      <dc:subject>EineWelt</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Miteinander</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-05-14T18:09:19Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
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  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/def/forbidden-voices">
    <title>Forbidden Voices</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/def/forbidden-voices</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3><b>Unterdrückt, verboten und zensuriert</b></h3>
<p>Der Film «Forbidden Voices» erzählt von drei Bloggerinnen in Kuba, Iran und China, die unter Lebensgefahr arbeiten. Yoani Sánchez, Farnaz Seifi und Zeng Jinyan lassen sich von ihren diktatorischen Regimen nicht einschüchtern. Die jungen Frauen repräsentieren eine vernetzte Generation moderner Widerstandskämpferinnen, die mit ihren Blogs, mit Facebook, Youtube und Twitter das staatliche Informationsmonopol ihrer Länder ins Wanken bringen.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/forbidden_voices_lobby_11_85x6_67cm_300dpi_43952.jpg/@@images/image/preview" /></p>
<p>Die Schweizer Dokumentaristin Barbara Miller begleitet die modernen Rebellinnen auf ihrer entbehrungsreichen und gefährlichen Reise und zeigt, wie sie mit Hilfe der neuen sozialen Medien die Missstände in ihren Ländern anprangern, dabei politischen Druck aufbauen und weltweit Resonanz auslösen. Das «Time Magazine» zählt sie zu den einflussreichsten politischen Stimmen der Welt. Basierend auf ihren bewegenden Zeugnissen und geheimen Aufnahmen wird «Forbidden Voices» zu einer Hommage an ihren mutigen Kampf.</p>
<h3><b>Die Bloggerinnen und ihr Werk ...</b></h3>
<p>Vor der Eröffnung ihrer Blogs führten die drei Frauen aus den unterschiedlichsten Kulturen und politischen Brennpunkten ein ganz normales Leben. Erst durch ihre Äusserungen im Internet wurden sie zur Bedrohung für die Machthaber ihrer Länder.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/sanchez/@@images/image/preview" /></p>
<p>Yoani Sanchez ist die erste Kubanerin, die unter ihrem richtigen Namen mit Hilfe ihres Blogs das Regime kritisierte und Fidel Castro provozierte. Ihre Millionenleserschaft und ihr furchtloses Engagement machen sie zu einer der bekanntesten Bloggerinnen der Welt. Sie setzt sich für Meinungs- und Pressfreiheit ein, obwohl die Regierung versucht, sie mit Gewalt zum Schweigen zu bringen, und sie dabei ihr Leben riskiert.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/forbidden_voices_lobby_11_85x6_69cm_300dpi_4397.jpg/@@images/image/preview" /></p>
<p>Die Iranerin Farnaz Seifi ist eine Internet-Pionierin ihres Landes und kämpft mit ihrem Blog und politischen Kampagnen gegen die Diskriminierung der iranischen Frauen und den Fundamentalismus im Land. Das Regime zensurierte ihren Blog und verhaftete sie. Ihr blieb einzig die Flucht ins Exil, von wo aus sie ihren Kampf unermüdliche weiterführt.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/forbidden_voices_lobby_11_85x8_11cm_300dpi_4396-1.jpg/@@images/image/preview" /></p>
<p>Die chinesische Menschenrechtsaktivistin Zeng Jinyan prangert mit ihrem Engagement im Internet die Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land an und kämpft für die Freilassung ihres gefangenen Mannes, des Bürgerrechtlers Hu Jia. Sie steht dafür seit über vier Jahren mit ihrer kleinen Tochter unter Hausarrest, von wo aus sie sich jedoch weiter für ihre Forderungen engagiert.</p>
<p>Die drei Protagonistinnen stammen aus unterschiedlichen Ländern, doch ihre Anliegen und Ziele sind dieselben. Aus ihrer ganz persönlichen Sicht stellen sie politische und gesellschaftliche Forderungen ins Netz, drücken in ihren Blogs aber auch Verletzlichkeit und Ängste aus. In ihren Internet-Aktivitäten und in ihrem Alltag setzen sie sich für Menschenrechte, Pressefreiheit und Demokratie ein, auch wenn sie dabei drakonische Strafen und sogar ihr Leben riskieren. Die Bloggerinnen geben bis jetzt trotz allen Repressalien und zeitweiligen Rückschlägen nicht auf.</p>
<h3><b>… der Film darüber</b></h3>
<p>«Forbidden Voices» nimmt das Kinopublikum auf eine spannende Reise mit, bei welcher es die Höhen und Tiefen des täglichen Kampfes der drei Frauen hautnah miterlebt. Doch ganz anders als im Cyberspace, wo sich eine Überflussgesellschaft im Eskapismus vergnügt, ist das Leben in den sozialen Netzwerken beschwerlich und voll Hindernissen, denn in realen diktatorischen Gesellschaften ist der individuelle Handlungsspielraum eng.</p>
<p>Der Film spürt den Schwierigkeiten, aber auch Erfolgen nach, welche die Bloggerinnen mit ihren Revolten hervorrufen und macht sich auf Spurensuche nach Auswirkungen und Chancen ihres Engagements. Er geht auch der Frage nach, ob die jungen Rebellinnen mit ihrer öffentlichen Kritik in ihren Ländern wirklich gesellschaftsverändernde Prozesse in Gang setzen. Diese Kinodokumentation fordert eine grundlegende Reflexion.</p>
<p> </p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/china/@@images/image/preview" /></p>
<h3><b>… und die Auseinandersetzung dazu</b></h3>
<p>Erste Reaktionen während des Films sind sicherlich ein Staunen über  die Möglichkeiten der neuen sozialen Medien und ein grosser Respekt vor  dem Mut der Bloggerinnen im Kampf für Freiheit und Menschenrechte. Doch  schon bald wandelt sich diese Reaktion wohl in Wut und Empörung über  das, was bei uns in der so genannten freien Marktwirtschaft unter  Freiheit verstanden wird, nämlich die «freie Wahl» einer Zahnpasta,  Zigarette, eines Getränks oder Autos. Bei der Manipulation in China,  Iran und Kuba zeigt sich, der Globalisierung sei Dank, wie raffiniert  und wissenschaftlich ähnliche Prozesse auch bei uns ablaufen. Für eine  vertiefte (historische) Medienkritik verweise ich auf drei  Standardwerke: von Huxley, Orwell und Anders. Und dann ist zu fragen,  wozu dieser Film viele Impulse gibt, nach dem radikal Anderen der neuen  sozialen Kommunikationsmittel.</p>
<p>Im Roman «Brave New World», 1932 von Aldous Huxley publiziert, wird  eine Gesellschaft beschrieben, in der Stabilität, Frieden und Freiheit  gewährleistet scheinen: mittels physischer Manipulationen der Embryonen und Föten, der mentalen Indoktrinierung  der Kleinkinder und der Konditionierung auf eine permanente  Befriedigung durch Konsum, Sex und die Droge Soma, unschwer als die  Massenmedien zu erkennen. Damit wird den Mitgliedern der Gesellschaft  das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen ihrer Weltordnung  genommen. – Im Blick auf heute dürfte damit wohl die wissenschaftliche  Manipulation des Unterbewusstseins in der Konsumgesellschaft gemeint  sein.</p>
<p>«1984» heisst der Roman von George Orwell, den er 1948 beendet hat, und in welchem das Funktionieren eines totalitären Überwachungs- und Präventionsstaates im Jahre 1984 dargestellt wird. Protagonist der Handlung ist Winston Smith, ein einfaches Parteimitglied, das sich den widrigen Umständen zum Trotz seine Privatsphäre sichern will, dadurch aber in Konflikt mit dem System gerät, das ihn einer Gehirnwäsche  unterzieht. Der Titel spielt mit der Umkehrung der Jahrzahl, die auf  eine damals sehr fern erscheinende Zukunft verweist. – Im Blick auf  heute dürfte hier vor allem die Manipulation des Menschen in totalitären  Systemen, wie der im Film beschriebenen, gemeint sein.</p>
<p>Günther Anders, 1902 bis 1992, der österreichische Philosoph, Schriftsteller und Dichtge,  beschäftigte sich lebenslang mit den technischen und ethischen  Herausforderungen seiner Zeit und der Zerstörung der Humanität. So war  er auch Mitbegründer der Antiatombewegung, Technikkritiker und  Medienphilosoph.  Ungeachtet seiner Distanz zur wissenschaftlichen Hochschulphilosophie  wird er weiter als intellektueller Herausforderer wahrgenommen. – Im  Blick auf heute ist seine Radikalkritik, nach Brecht, Benjamins,  Enzensberger  und Baudrillard, ebenfalls radikal neu zu denken angesichts der neuen  sozialen Medien, wie sie beim «arabischen Frühling» eine Rolle spielen  und im Film «Forbidden Voices» im Mittelpunkt stehen.</p>
<h3><b>Podiumsgespräche zum Film und zum Thema</b></h3>
<p>Im Rahmen des Filmstarts finden in Zürich, Bern und Basel Podiumsgespräche statt.</p>
<p><b><i>3. Mai: Zürich, 19:00 – 21:00 Uhr, NZZ-Foyer, Podiumsgespräch mit Filmausschnitten: «Internetsicherheit, Internetzensur und Informationsfreiheit»</i></b></p>
<p>In Zusammenarbeit mit Reporter ohne Grenzen. Einleitung: Barbara Miller (Regisseurin), Teilnehmer: Andy Müller-Maguhn (Chaos-Computer-Club Berlin), Pascal Gloor (Vize-Präsident Schweizer Piratenpartei), Dominique Strebel (Redaktor Beobachter und Blogger Justizblog), Mauro Vignati (VBS, MELANI), Moderation: Josefa Haas (Leiterin Medieninstitut des Verbands Schweizer Medien). Eintritt frei, Anmeldung an <a class="mail-link" href="mailto:buesser@rsf-ch.ch">buesser@rsf-ch.ch</a>.</p>
<p><b><i>3. Mai: Bern, 18:30 Uhr, cineMovie 1, Filmvorstellung mit anschliessendem Podium</i></b></p>
<p>In Zusammenarbeit mit Amnesty International. Teilnehmer: Farnaz Seifi (Protagonistin), Stella Jegher (Leiterin Kommunikation von Amnesty International Schweiz), Moderation: Alexander Sury (Co-Leiter des Bund-Kulturressorts).</p>
<p><b><i>10. Mai: Basel, 18.30 Uhr, kult.kino camera, Filmvorstellung mit anschliessendem Podium</i></b></p>
<p>In Zusammenarbeit mit Amnesty International. Teilnehmer: Barbara Miller (Regisseurin), Antonia Bertschinger (Iran-Expertin von Amnesty International Schweiz), Moderation: Christina Caprez (Radio DRS 2)</p>
<p>Offizielle Website: http://forbiddenvoices.net</p>
<p>Verleiher in der Schweiz: <a class="external-link" href="http://www.filmcoopi.ch">www.filmcoopi.ch</a></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2012-04-20T22:18:44Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/abc/albert-nobbs">
    <title>Albert Nobbs</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/abc/albert-nobbs</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3><b>Sind wir nicht alle verkleidet?</b></h3>
<p>Einer Frau ohne Ehemann, Familie und Arbeit drohte im Irland des 19. Jahrhunderts ein Leben in Armut und Einsamkeit. Albert Nobbs (Titelbild), ein schüchterner Butler, verbirgt seit Jahren ein Geheimnis: Er ist eine Frau. Diese entschloss sich schon in jungen Jahren, Männerkleider zu tragen und sich wie ein Mann zu verhalten, um dem Schicksal des sozialen Abstiegs und dem Alleinsein zu entgehen.</p>
<p><img class="image-inline" height="434" src="../../../../bilder/AlbertNobbs_01-%20titel.jpg" width="654" /></p>
<p>Der Kolumbianer Rodrigo García, Sohn des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez, führte Regie in diesem einfühlsamen, persönlichen und beeindruckenden Spielfilm, für den Glenn Close, die Hauptdarstellerin, nach einer Kurzgeschichte des Iren George Moore das Drehbuch verfasst hat.</p>
<p><a class="external-link" href="http://outnow.ch/Movies/2011/AlbertNobbs/Trailers/">Trailer</a></p>
<h3><b>Als Mann verkleidet, ihre Identität als Frau suchend</b></h3>
<p>Albert Nobbs und Glenn Close: Das sind zwei Namen einer besonderen Beziehung. Im Jahre 1982 hat Close die Rolle des Albert am New Yorker Off-Broadway gespielt. Und seit jener Zeit lässt sie die Figur nicht mehr los: «Ich finde, Albert ist ein wahrlich guter Charakter. Es gibt etwas tief Berührendes in Alberts Leben.» Ihr Terminplan war damals übervoll, doch sie dachte immer daran, dass diese Geschichte einen wunderbaren Film geben würde, weshalb sie sich unabhängig von einem Auftrag an das Schreiben eines Drehbuches machte.</p>
<p>Ihre Beziehung zu Albert, dieser Frau, die nur überlebte, weil sie sich als Mann verkleidete, wurde immer intensiver. «Albert wollte überleben, verlor dabei aber ihre Identität, wusste schliesslich nicht einmal mehr ihren eigenen Namen», meint die Schauspielerin und fährt fort, «sie wurde als uneheliches Kind von einer Frau aufgezogen, die bezahlt wurde, dass sie deren wahre Identität verschweige.»</p>
<p>Als Albert den Job als Butler annahm, löste sich ihre Identität auf und verschwand in jener des Hotelangestellten. Sie, die sowieso nie genau wusste, wer sie überhaupt war, als sie mit Vierzehn in die Erscheinung eines Kellners schlüpfte, war nach dreissig Jahren als Frau unsichtbar, sichtbar nur mehr als tadelloser Butler.</p>
<p><img class="image-inline" height="485" src="../../../../bilder/AlbertNobbs_05%20-%20albert%20in%20action.jpg/@@images/image/large" width="728" /></p>
<p><i>Sie in der Rolle des Butlers</i></p>
<p>«Die Kraft dieser Geschichte ist wie ein simples Glas Wasser», meint Close, «wenn Licht das Wasser im Glas reflektiert, entsteht etwas extrem Komplexes.» Die Story ist einfach, doch sie berührt eine Vielzahl von menschlichen Schicksalszügen, die jedermanns Leben und die eigenen Probleme widerspiegeln, und sie gibt den Menschen etwas Besonderes mit auf den Weg. «Ich glaube an die universelle Anziehungskraft dieser Geschichte», so die tiefe Überzeugung der grossen Schauspielerin.</p>
<h3><b>Die Rolle ihres Lebens</b></h3>
<p>«Diesen Charakter muss ich vor meinem Tod auf der grossen Leinwand spielen», meinte Glenn Close zur Produzentin, sah ihr tief in die Augen und sagte, dass sie damit hier und jetzt beginnen sollten – und übernahm auch gleich die Rolle der Produzentin des Films und begab sich auf die Suche nach den Drehorten.</p>
<p>Im Theater bedeutet Verkleiden, eine fremde Identität annehmen, die man spätestens am Schluss der Aufführung wieder ablegt. Albert aber ist noch lange nicht so weit, ihre falsche Identität abzulegen und ihre wahre zu leben. «Albert Nobbs» ist ein Kostümfilm und er zeigt eine Frau in den Kleidern eines Mannes. Im Verlauf des Filmerlebnisses, so meine ich, stellt sich auch beim Publikum die Frage: Sind nicht auch wir oft verkleidet und spielen fremde Rollen?</p>
<h3><b>Ausbruchsversuche</b></h3>
<p>Nach jahrzehntelangem Leben in einer Identität fällt es Albert, fällt es keinem Menschen, leicht, diese zu wechseln. Erst spät im Film wagt sie zwei Versuche: Einmal mit der jungen Hotelmagd Helen und mit dem Gelegenheitsarbeiter Hubert. Die Thematik des Films scheint mir zeitgemäss, obwohl er im 19. Jahrhundert spielt. Es geht um die Suche nach dem authentischen Leben: der Identität einer Person, die sich selbst ausgelöscht und in einem andern versteckt hat. Der Film spricht das Thema der Entfremdung an, die in der Kapitalismuskritik der letzten Jahrzehnte häufig, heute in der Zeit der Angepasstheit kaum mehr diskutiert wird – deshalb aber nicht weniger relevant sein dürfte.</p>
<p><img class="image-inline" height="207" src="../../../../bilder/AlbertNobbs_02-albert%20und%20helen.jpg/@@images/image/preview" width="312" /> <img class="image-inline" height="201" src="../../../../bilder/Hubert%20und%20Alber.jpg/@@images/image/mini" width="300" /></p>
<p><i>Albert mit Helen und mit Hubert</i></p>
<p>«Eine der zentralen Themen sind die Träume der Menschen und was sie für sich selber wollen», meint der Regisseur, «Albert wie alle anderen Figuren im Drehbuch wollen mehr, sie wollen ihr eigenes Ich zeigen. Viele der Figuren haben kaum Luft über ihren Köpfen, tragen Masken und falsche Identitäten.» In diesem Punkt scheint mir das Stück modern. Sein wirkliches Leben im Geheimen zu führen und anderen gefallen zu müssen, um überleben zu können, ist ein modernes und ein zeitloses Schicksal.</p>
<p><a class="external-link" href="http://www.pathefilms.ch">www.pathefilms.ch</a></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    
      <dc:subject>Behinderung</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Sexualität</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Alter</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-04-09T15:27:58Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/tuv/un-cuento-chino">
    <title>Un cuento chino</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/tuv/un-cuento-chino</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3><b>Wenn eine Kuh vom Himmel fällt …</b></h3>
<p>geht noch anderes drunter und drüber im Film «Un cuento chino» des Argentiniers Sebastian Borensztein. Der Titel bedeutet so viel wie «Ammenmärchen» oder «Lügengeschichte», was er auch ist.</p>
<p>Er handelt von Märchen und Geschichten. Und Märchen erzählen seit Jahrhunderten Wahrheiten der besonderen, bedeutungsvollen Art, und Geschichten handeln davon, was geschehen ist oder sein könnte und deuten damit das Leben. Es geht also um etwas, was zutiefst mit unserem Leben zusammenhängt.</p>
<p>Wir alle kennen skurrile Geschichten über seltsame Unfälle oder Missgeschicke, die die Zeitungen unter «Vermischtes» vermerken. Das sind jene Meldungen, welche die Lesenden angesichts der Fülle schlechter Nachrichten schliesslich dennoch mit einem Lächeln in den Tag ziehen lassen. Eine der schönsten und bekanntesten dieser «Wahren Geschichten» ist wohl jene von der Kuh, die vom Himmel fällt. Genau diese Geschichte bildet den Ausgangspunkt zu «Chinese zum Mitnehmen». Hier trifft es ein chinesischen «Love Boat», auf dem der einfache Arbeiter Jun (Ignacio Huang) auf dem Wasser seiner Verlobten gerade einen Heiratsantrag machen will, wozu es dann aber nicht mehr kommt. Schockiert ob dieses Schicksalsschlages macht sich der junge Mann auf den Weg nach Argentinien, um in Buenos Aires von seinem Onkel Trost zu erhalten. Schliesslich ist ihm genau das widerfahren, was bekanntermassen selbst die furchtlosen Gallier bei Asterix am meisten fürchteten: Ihm ist der Himmel auf den Kopf gefallen, und das im gar nicht mal so übertragenen Sinne.</p>
<h3><b>… geschehen noch andere Zeichen und Wunder</b></h3>
<p>Im fernen Argentinien hat Jun dann schliesslich Glück, auch wenn es anfangs nicht wirklich danach aussieht. Aus einem Taxi geworfen, purzelt er ausgerechnet dem missmutigen Eisenwarenhändler Roberto (Ricardo Darín, Titelbild) vor die Füsse. Weil dieser kein Chinesisch und Jun kein Spanisch spricht, ist das mit der Kommunikation so eine Sache. Dass sich Roberto dennoch des Hilfsbedürftigen annimmt und ihn bei sich beherbergt, ist das erste kleine Wunder. Dass die beiden trotz der nicht existenten Hilfsbereitschaft der chinesischen Botschaft die Spur zum Onkel finden, ist das zweite. Und dass durch diese Begegnung Robertos freudloses und von Schrullen und Marotten geprägte Dasein eine entscheidende Wendung erfährt, das dritte. Dass ausgerechnet Roberto, der aus allen ihm verfügbaren Zeitungen täglich skurrile Geschichten sammelt, nun im wirklichen Leben mit dem tragischen Helden einer solchen Story zusammentrifft, ist zwar mehr als unwahrscheinlich, doch warum soll das Leben nicht auch einmal verrücktspielen? Voll schrägem, hintersinnigem Witz und mit leichter Hand spinnt der Regisseur die unmöglichsten Lebensfäden zusammen.</p>
<p>Keine Lügengeschichte ist es auch, dass «Un cuento chino» seit seinem Start im März dieses Jahres allein in Argentinien fast eine Million Zuschauer den Film gesehen hat, und unter der Regie von Sebastián Borenzstein Argentiniens Superstar Ricardo Darín in dieser Komödie zu Hochform aufläuft. Auf irrwitzigen Umwegen führt sie zwei völlig verschiedene Menschen von den Enden der Welt zueinander. Roberto führt sein Eisenwarengeschäft in Buenos Aires und ist ähnlich verschroben wie die Schrauben, die er zählt und verkauft: ein notorischer Einzelgänger, der aus Prinzip nichts und vor allem niemanden zu nahe an sich heran lässt. Eines Tages wird er dann aber Teil einer solchen Geschichte, wie er sie gesammelt hat, als plötzlich der junge Chinese Jun (Ignacio Huang) in sein langweiliges Leben platzt und es komplett umkrempelt. Jun ist gleich nach seiner Ankunft in Argentinien ausgeraubt worden und somit unbedingt auf die Hilfe anderer angewiesen. Widerwillig nimmt Roberto den Chinesen unter seine Fittiche, um dessen Onkel zu suchen – und findet dabei auch gleich einen Ausweg aus seinem eigenen, tristen Dasein.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/cuento-titel" /></p>
<p><b>... und aus Saulus wird Paulus</b></p>
<p>«Un cuento chino» ist eine mitreissende und zugleich tiefgründige Komödie mit einer Portion leisem und schwarzem Humor. Vom zufälligen Zusammentreffen zweier Kulturen handelt der Film, vom langsamen sich Nähern zweier Menschen. Keiner spricht die Sprache des anderen, ihr kultureller Hintergrund könnte unterschiedlicher kaum sein – dennoch vereint sie ein gemeinsames Schicksal und macht sie zu zwei Verwandten. Solch schräge Komödien haben es in sich, uns vergessene Wahrheiten sichtbar und erlebbar zu machen – bis wir entdecken, dass vielleicht auch bei uns manchmal etwas schief liegt oder schräg läuft.</p>
<h3><b>Anmerkung des Regisseurs</b></h3>
<p>Was für eine Geschichte erzählt dieser Film? Zusammengefasst könnte man sagen: Es ist die Geschichte eines Argentiniers und eines Chinesen, die durch eine vom Himmel gefallene Kuh vereint werden. Man könnte auch sagen, es geht um zwei Männer, einen Argentinier und einen Chinesen, deren Tragödien sich in Buenos Aires kreuzen. Aus dieser Begegnung ergibt sich der Weg für ihr weiteres Leben. «Un cuento chino» ist eine universelle Geschichte, dabei aber auch eine sehr argentinische. Universell, weil sie von Dingen erzählt, die wir auch von uns kennen. Gleichzeitig ist sie sehr argentinisch, weil ihr Protagonist, Veteran des Falklandkrieges, immer noch am Konflikt von 1982 zwischen Argentinien und Grossbritannien um die Falklandinseln leidet. Die Prämisse, die mich zum Schreiben des Drehbuchs und zu dessen Umsetzung getrieben hat, war folgende: Je weiter du dich von dir entfernst, desto näher kommst du dir. Je tiefer du dich in dir einschliesst, desto härter wird der Schlag, der dich daraus befreit. Das Treffen dieser so unterschiedlichen Menschen handelt von Aspekten der menschlichen Seele wie dem Verlassenwerden, der Einsamkeit und der Notwendigkeit, zu überleben. Der Tonfall dieses Märchens ist im Grunde der einer Tragikomödie.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/photo-El-Chino-Un-Cuento-chino-breit.jpg" /></p>
<p><i>Auf Gedeih oder Verderben miteinander verbunden</i></p>
<h3><b>Interview mit dem Regisseur Sebastián Borensztein</b></h3>
<p><i>Wo haben Sie die authentische Meldung mit den «fliegenden Kühen» entdeckt?</i></p>
<p>Ich habe die Meldung, dass eine Kuh aus einem Flugzeug auf ein japanisches Fischerboot gestürzt ist und es zum Kentern gebracht hat, erstmals in der überregionalen argentinischen Tageszeitung «Clarín» gelesen, habe sie sofort ausgeschnitten und wusste: Mit dieser Szene beginnt dein nächster Film! Die Meldung war der Stein, der alles ins Rollen gebracht hat. Danach erst hab ich die Geschichte erfunden, die diesen Anfang begründet.</p>
<p><i>Handelt «Un cuento chino» eher von Einsamkeit oder von Solidarität?</i></p>
<p>Es geht absolut um die Einsamkeit. Die Solidarität setzt erst dann ein, wenn die Einsamkeit beginnt, Risse zu zeigen.</p>
<p><i>Die Bildsprache verrät lange nicht, in welcher Zeit die Geschichte spielt. Warum?</i></p>
<p>Die Figur des Roberto ist in der Zeit stehengeblieben. Sein Haus, seine Sachen, sein Auto, sogar seine Kleidung ist absolut anachronistisch. Das einzige Moderne in seinem Besitz ist der Fernseher, mit dem er seine Filmsammlung anschaut. Roberto ist ein Mann aus der Vergangenheit. Sogar sein Humanismus gehört einer Gesellschaft an, die so nicht mehr existiert und dem heutigen Individualismus entgegengesetzt ist.</p>
<p><i>Haben Sie Unterstützung von chinesischer Seite für Ihre Produktion erhalten?</i></p>
<p>Das chinesische Konsulat im Film war nur Kulisse. Wir haben keinerlei Kontakt mit China und wissen, dass es schwer ist, dort unseren Film zu zeigen. Es gibt nur eine kleine Quote an ausländischen Produktionen in der Volksrepublik, die zudem einen offiziellen Filter durchlaufen müssen, um autorisiert zu werden.</p>
<p><i>Wie haben Sie den Schauspielstar Ricardo Darín davon überzeugt, Roberto zu spielen – einen Unsympathischen im Handwerkerkittel – und wie haben Sie den Darsteller des Hun gefunden?</i></p>
<p>Ricardo, mit dem ich schon lange befreundet bin, hat sich in die Rolle und in das Drehbuch verliebt, sobald er es gelesen hat. Ignacio Sheng Huang war der erste asiatische Schauspieler, der zum Casting erschienen ist. Ich wusste sofort, dass ich meinen Hun gefunden hatte.</p>
<p><i>Warum war es wichtig, den Falkland-Konflikt zwischen Grossbritannien und Argentinien im Film unterzubringen?</i></p>
<p>Dieser Krieg hat Robertos Leben zerstört. Er begründet seine Handlungen in der Gegenwart. Für mich war dieser Konflikt ein Thema, das ich behandeln wollte, ohne einen Kriegsfilm zu drehen. Der Falklandkrieg war der Krieg meiner Generation. Er hat mich persönlich betroffen, obwohl ich nicht an die Front musste, meine Freunde hingegen sehr wohl. Als Filmemacher war er für mich eine offene Rechnung. Man muss darüber sprechen, was der Krieg hinterlassen hat und vor welchen seiner Auswirkungen Staat und Gesellschaft heute noch die Augen verschliessen.</p>
<p><a class="external-link" href="http://www.ascot-elite.ch/">www.ascot-elite.ch</a></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    
      <dc:subject>Miteinander</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-04-08T12:04:32Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/pqrs/sister">
    <title>Sister</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/pqrs/sister</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><b>Ein Meisterwerk!</b></p>
<p>Der zwölfjährige Simon fährt im Winter mit einer Gondelbahn vom Industriegebiet im Tal, wo er allein mit seiner Schwester Louise lebt, nach oben, in ein prächtiges Skigebiet. Dort stiehlt er reichen Touristen Skier und Ausrüstungen, um sie an die Kinder seines Wohnblocks zu verkaufen. Er erzielt damit ein bescheidenes, aber regelmässiges Einkommen. Diese Machenschaften nehmen mit der Zeit immer grössere Ausmasse an. Louise, die vor kurzem ihre Stelle verloren hat, profitiert davon und wird immer abhängiger von Simon. – Soweit ein kurzer Abriss der Geschichte.</p>
<p>Mit einer solchen Vorlage dreht der eine Filmemacher einen banalen, der andere einen rührseligen Streifen, einen Krimi vielleicht oder einen Moraltraktat, ein Melodrama oder einen Actionfilm. Die schweizerisch-französische Filmemacherin Ursula Meier schuf damit «Sister» (in der welschen Schweiz «L’Enfant d’en haut») und damit ein grossartiges, vielschichtiges und vieldeutiges, ein faszinierendes und beeindruckendes Meisterwerk, das dieses Jahr zu Recht in Berlin mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet worden ist. Einer grösseren Öffentlichkeit bekannt wurde die Autorin 2008, als ihr erster Kinospielfilm «Home» in Cannes in der Semaine de la Critique lief. Mit ihrem neuen Werk zeigt sie, dass in der Kunst nicht das Was, also die Geschichte, sondern das Wie, die Gestaltung und Interpretation, über Machwerk oder Kunstwerk entscheidet.</p>
<p>Trailer: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=3SqFYl82eMc">http://www.youtube.com/watch?v=3SqFYl82eMc</a></p>
<p>Wie gelingt es der Filmemacherin, aus dieser einfachen Vorlage ein grosses Werk zu realisieren? Verschiedene Gründe sind es, denen ich hier nachgehe.</p>
<p>Fürs Erste ist es, so scheint mir, die intensive Nähe zu Simon und Louise, die der Film erzeugt: nicht bloss eine äusserliche, sondern eine innerliche. Wir kommen Simon nah, wenn er mit seinen zarten Händen Brillen und Helme bearbeitet oder sich in seinem feingliedrigen Körper vor dem Kleiderkasten im Tal für oben oder für unten umzieht, oder wenn Louise immer wieder aufgibt und davonläuft, wenn sie sich gehen lässt und aufgibt. Hautnah stehen wir zwischen Louise und Simon, wenn sie im Tohuwabohu ihrer Gefühle untergehen oder sich wieder erheben. Damit wird die im Film gezeigte Realität unsere Realität. Dafür war die Arbeit der ganzen kreativen Crew verantwortlich: Agnès Godard als Chefkamerafrau mit ihren Bildern, die im Äusseren das Innere zeigt, John Parish mit seiner Musik, die die Handlung emotional begleitet und vertieft, und Nelly Quettier mit ihrer Montage, die die Handlung rhythmisiert und nahtlos von einer Ebene in die andere überführt – allesamt der Vision von Ursula Meier folgend.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Simon%20im%20Versteck.jpg" /></p>
<p><i>Simon mit seinem Komplizen in Action</i></p>
<p>Die konkrete, exakt abgebildete äussere Wirklichkeit erscheint wie „durchsichtig“, durch sie schauen wir auf eine innere Wirklichkeit. Vergleichbar «durchsichtige», auf eine andere Wirklichkeit verweisende Bilder kenne ich in «Pickpocket» von Robert Bresson oder Filmen von Theo Angelopoulos oder Hirokazu Kore-eda, in der Schweiz unter den Alten bei Alain Tanner und bei den Jungen bei<i> </i><i>Stéphanie Chuat und Véronique Reymond</i><i>.</i> Die gleiche «Durchsichtigkeit», die vom Aussen zum Inneren führt, zeichnet den Film von Ursula Meier aus. «Der Film kennt kein „rein Äusserliches“ und keine „leere“ Dekorativität. Eben weil im Film alles Innere an einem Äusseren zu erkennen ist, darum ist auch an allem Äusseren ein Inneres zu erkennen», formulierte vor bald hundert Jahren der ungarische Filmtheoretiker Béla Balàsz ein Ziel der Siebten Kunst. Das Äussere<i> </i>erhält in diesem Film seine Tiefe, seine Würde; das Innere seine Evidenz, seine Wirkung, beides zusammen erschafft Sinn.</p>
<p>Das erste Filmsehen war ungewohnt und seltsam: Während der ganzen 97 Minuten veränderte sich der Film – mein Film! – mehrmals. Den ersten Teil, wo Simon bei seinen Diebestouren gezeigt wird, erlebte ich als Verherrlichung des Stehlens, und ich war empört. Dies änderte sich doch bald. Er wurde zum Gleichnis einer berührenden zwischenmenschlicher Solidarität, was mich berührte. Und weitere Deutungen folgten. Der Film wurde zur Parabel über Geld als gesellschaftliches Tauschmittel für Arbeit, Macht, Liebe und menschliche Beziehungen. Und weiter veränderte sich mein Film. Er wurde zum Diskurs über verschiedene Vorstellungen von Moral. Und nochmals erlebte ich ihn anders. Er wurde zum Welttheater der Reichen dort oben und der Armen da unten. Eine besondere Qualität von «L’Enfant d’en haut» ist es, dass er dermassen verschiedene Deutungen evoziert und zulässt. Frappierend zeigt er die Relativität der Wahrnehmung dessen, was «für wahr» genommen wird.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Simon%20informiert.jpg" /></p>
<p><i>Liebenswürdig und hinterhältig mit Touristin</i></p>
<p>Diese Realität steht nicht nur für die Personen im Film, sondern stellvertretend, gleichnishaft für uns alle. Dies ist fürs Erste das Verdienst der Filmemacherin und zum Zweiten unser eigenes Verdienst. Etwas vereinfacht gesagt: Die Hälfte eines Filmes ist das Werk der Filmemacher, die andere unser Mit- und Dazutun. Ich mit meinem Hintergrund an Erfahrungen, an Wissen und Emotionen trage meinen Teil bei zum Ganzen eines Filmes. Doch Ursula Meier lässt mir die Freiheit für diesen Prozess der Nachschöpfung.</p>
<p>Dieser Film war für mich ein ästhetisches Abenteuer. Dieses Sowohl-als-auch, diese Mehrdeutigkeit, Unsicherheit und Unbestimmtheit, Unschärfe und Offenheit beeindruckt mich und macht «Sister» in meinen Augen<b> </b>zu einem modernen Kunstwerk: unbestimmt, vieldeutig und offen. – Ich möchte die Geschichte nicht weiter beschreiben und interpretieren, sondern – wie die Filmautorin – dies jeder Zuschauerin und jedem Zuschauer überlassen …</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Simon%20mit%20Beute.jpg" /></p>
<p><i>Simon mit der Beute seiner Einsätze</i></p>
<p>Nach einem ersten Filmsehen – und vor einem zweiten – empfiehlt sich die Lektüre der «Anmerkungen der Autorin Ursula Meier» zu ihrem Film, in meinen Augen einer der schönsten und klügsten Texte zum Filmmachen und zum Filmschauen.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    
      <dc:subject>Gewalt</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Sozialarbeit</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Miteinander</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-04-20T13:25:32Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/mno/nebelgrind">
    <title>Nebelgrind</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/mno/nebelgrind</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><b>«Nebelgrind», eine berührende TV-Geschichte über Alzheimer </b></p>
<p>Fernsehfilms auf SF 2 am Sonntag, 15. April 2012, 20:05 Uhr. Zusätzlich drei Rundschau-Sendungen ab 4. April um 21:00 Uhr zum gleichen Thema.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Protagonisten.jpg" /></p>
<p><i>Die drei Hauptprotagonisten: Rebecca Indermauer, martin Rapold und Peer Freiburghaus (v.l.n.r.)</i></p>
<p>Bauer Jürg kann es nicht glauben: Seiner Frau Fränzi platzt der Kragen, und sie überlässt ihm für zwei Wochen den Hof, die Kinder und vor allem seinen «vergesslichen» Vater Karli.</p>
<p>Bald wird Jürg (Martin Rapold) indes bewusst, dass Fränzi (Rebecca Indermaur) Recht hatte und sein betagter Vater (Peter Freiburghaus) nicht einfach älter wird, sondern an Alzheimer erkrankt ist. Karli kann sich nicht mehr alleine anziehen, also bleibt er einfach im Pyjama. Er vergisst, dass er seiner Enkelin Toni erst gerade einen Batzen an ein neues Töffli gegeben hat, und mit Enkel Jonas unternimmt er lange, nicht ungefährliche Ausflüge. Jürg steht vor der Herausforderung seines Lebens. Denn eines will er ganz sicher nicht, dass sein Vater in ein Heim gehen muss. Der Vater gibt immer mehr ab und ist doch noch ganz unternehmungslustig. Der Sohn muss schmerzhaft lernen, was das heisst.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Vater%20und%20Sohn.jpg" /></p>
<p><i>Jürg will es nicht wahrhaben, dass sein Vater Alzheimer hat.</i></p>
<p>Gemäss ernst zu nehmenden Untersuchungen aus der Schweiz und Annahmen aus vergleichbaren europäischen Ländern durch die Schweizerische Alzheimervereinigung sind heute in der Schweiz über 100‘000 Menschen an Alzheimer oder andern Formen von Demenz erkrankt. In zehn Jahren werden es voraussichtlich 150‘000 sein. Und in dreissig Jahren werden angesichts der demografischen Entwicklung rund 300‘000 davon betroffen sein. Hunderttausende Angehörige und Pflegefachpersonen werden mit ihrer Betreuung und Pflege beschäftigt sein.</p>
<p>Soweit der statistische Hintergrund für die Geschichte vom „Nebelgrind“, die von einem einzelnen Fall glaubhaft und nachvollziehbar erzählt. Sechsstellige Zahlen von kranken Menschen sind kaum nachvollziehbar, erlebbar. Darum ist es wichtig, dass wir, neben den harten Fakten, auch immer wieder Einzelgeschichten erleben und versuchen, sie für wahr zu nehmen. Für ein individuelles Handeln, sei es im kleinen und persönlichen Kreis, wo Menschen sich oft darum herum schwindeln, oder im grossen und politischen Umfeld, wo die Konsequenzen dieser Krankenzahlen noch zu keinen Handlungsstrategie geführt haben, ist die persönliche Betroffenheit nötig. Und genau diesen ersten Schritt, die Sensibilisierung und Problematisierung, leistet dieser Film, der nicht tiefschürfend analysiert und hinterfrägt, sondern glaubwürdig und menschenfreundlich beobachtet und erzählt, wie es sich so ereignen könnte.</p>
<p>Die berührende Geschichte ist eine adäquate Inszenierung für ein breites Fernsehpublikum am Sonntagabend. Josy Meier und Eveline Stähelin haben sie geschrieben, Martin Rapold, Rebecca Indermaur und allen voran Peter Freiburghaus in den Hauptrollen unter der einfühlsamen Regie von Barbara Kulcsar eindrücklich gespielt sowie von Pierre Mennel adäquat fotografiert und von Balz Bachmann mit musikalischen Akzenten versehen. Der Inszenierung ist es gelungen, alles Wesentliche der Krankheit zu zeigen, ohne dabei didaktisch zu wirken.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Familientisch.jpg" /></p>
<p><i>Die ganze Familie ist in den Krankheitsprozess involviert.</i></p>
<p><b>Zusätzlich drei Rundschau-Sendungen zum Thema Alzheimer</b></p>
<p>Am Mittwoch, 4., 11. und 18. April 2012, je um 21:00 Uhr, bringt SF 1 in der «Rundschau» eine dreiteilig Serie mit dem Titel „Demenz – die Volkskrankheit“. In diesen Sendungen werden drei demente Menschen porträtiert und kommen Familienangehörige zu Worte, die nicht nur mit dem allmählichen Entschwinden eines geliebten Menschen kämpfen, sondern auch mit der Schwierigkeit, die Kranken adäquat zu betreuen.</p>
<p>Guido Högger ist erst 59-jährig, war früher IT-Spezialist, und ist heute vollkommen unselbständig. Seine Frau und die drei Kinder müssen zu ihm schauen, für eine externe Betreuung reicht das Geld nicht. Walter Uhlmann, 65-jährig, hat den Zwang, täglich 30 Kilometer rennen zu müssen, was seine Tochter dank GPS-Gerät überwacht. Und der 82-jährige Jos Fischer wurde von seiner gleichaltrigen Frau gepflegt, jetzt muss er ins Heim. Kostenpunkt 10</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    <dc:date>2012-03-28T11:17:05Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/mno/messies-ein-schones-chaos">
    <title>Messies, ein schönes Chaos</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/mno/messies-ein-schones-chaos</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3><b>Gratwanderung zwischen Genialität und Überforderung</b></h3>
<p>Der an verschiedene Festivals geladene und mehrfach preisgekrönte Schweizer Dokumentarfilm „Messies, ein schönes Chaos“ von Ulrich Grossenbacher ist ein gültiger Beitrag zur Frage: Beherrschen wir das Chaos, oder beherrscht das Chaos uns?</p>
<p>Der Film gewährt einen differenzierten und vielschichtigen Einblick in den Alltag von vier Messies. Wir treten ein in die Aussen- und die Innenwelt der vier Protagonisten, lernen ihre genialen Erfindungen kennen, entdecken ihre gefährlichen Basteleien und stöbern in ihren unüberschaubaren Archiven. Dabei erleben wir die Konflikte, welche die Messies durch ihr Anderssein mit ihren Angehörigen, Nachbarn und den Institutionen zu bewältigen haben. Grossenbacher erlaubt uns einen intimen Einblick und bietet uns einen analysierenden Zugang in dieses irritierende und zugleich faszinierende Phänomen. Dieser Kinofilm beschreibt Privates und lädt gleichzeitig ein, darin Gesellschaftliches zu suchen und zu entdecken.</p>
<p>Ausgeführt wird die Thematik in einem zweistündigen, sensiblen und exakt beschreibenden, gelegentlich humorvollen, jedoch immer meisterhaft fotografierten und geschnittenen Filmessay. Der Filmemacher geht mit grosser Ernsthaftigkeit an die Menschen heran, die sich ihm öffnen, und begegnet ihnen in jeder Situation mit grossem Respekt. Konkret schildert er vier Schicksale, lässt dabei jedoch immer wieder aufscheinen, dass sich dahinter grundsätzliche Fragen der menschlichen Existenz verbergen. Dabei wird offenbar, wie schmal der Grat zwischen Genialität und Überforderung sich erweist, wie leicht es zu einem Absturz kommt, wie willkürlich die sogenannte Normalität definiert ist und wie fragwürdig solche gesellschaftlich anerkannten Normen sind. Der <a class="external-link" href="http://www.fairandugly.ch/messies/trailer">Trailer</a> vermittelt einen ersten Einblick in diese fremde Welt.<a href="http://www.fairandugly.ch/messies/trailer"></a></p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Messies-Karl-Schrank_s.jpg" /></p>
<p><i>Schwer sind nicht nur die Möbelstücke.</i><i></i></p>
<h3><b>Aus einem Statement des Regisseurs</b></h3>
<p>„Vor nicht ganz 30 Jahren kam ich zum ersten Mal mit einem Messie in Kontakt. Peter Moll war Fotograf, Autorennfahrer, Meditationslehrer, Pilot und Computerspezialist. Er bereiste die ganze Welt und brachte viele Dinge mit nach Hause, wo sich nach und nach eine riesige, exotische Sammlung anhäufte. Damals gehörte ein „Puff“ zur Grundausstattung einer antibourgeoisen Haltung und fiel nicht weiter auf. Peter hatte mehrere Fernsehgeräte aufeinandergestapelt, die er gleichzeitig laufen liess, sozusagen eine Vorform des heutigen Zappens. Die Sonntage verbrachten wir morgens zusammen meditierend und nachmittags vor dem Fernseher bei Übertragungen von Formel-1-Rennen. Selten habe ich mich mit einem Freund glücklicher gefühlt. Leider verstarb Peter bereits sehr jung an einem Herzinfarkt, wie wenn sein schwaches Herz diese vielen Aktivitäten schlecht ertragen hätte. Peter wunderte sich manchmal über die Materialberge seines Bruders Thomas, dessen Anhäufungen die seine noch um ein Mehrfaches übertrafen. Über die Jahre entwickelte Thomas seine Sammlungen weiter, und vor einiger Zeit eröffnete er mir, dass er ein „Messie“ sei. Als er erklärte, was darunter zu verstehen sei und wie „Messies“ leben, war mir sofort klar, dass ich darüber einen Film machen möchte.“</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Messie-Elmira-Helmkamera_s.jpg" /></p>
<p><i>Im Überfluss Orientierung und Sinn verloren.</i><i></i></p>
<p><b>Ein Chaos, das mehr ist als Chaos.</b></p>
<p>Der Film nimmt einen mit in eine fremde Welt, konfrontiert einen mit Menschen, die ganz anders sind als die meisten von uns. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir jedoch da und dort Ähnlichkeiten mit Verhaltensweisen der sogenannten Normalen. Diese unangepassten Menschen folgen einer eigenen Wert- und Ordnungslogik und setzen sich dadurch in Widerspruch zu den gängigen gesellschaftlichen Vorstellungen, offenbaren und entlarven gerade in einem sauberen und ordentlichen Land wie der Schweiz eine grosse Differenz. Aufgrund einer inneren Notwendigkeit können sie jedoch nur auf ihre ganz bestimmte Weise leben. Wodurch Konflikte entstehen, sich ein Leidensdruck bildet, den sie und gelegentlich Partner auszuhalten haben. In diesem Spannungsfeld zwischen persönlichem Glück und gesellschaftlichem Leiden ist der Film von Ludwig Grossenbacher angesiedelt.</p>
<p>Die Länge des ganzen Films, welche eine Vertiefung erlaubt, die Beschränkung auf wenige Personen, welche die Individualitäten erlebbar macht, und die langen Sequenzen und das Weglassen von Kommentaren, welche uns ermöglichen, den vier Menschen zu begegnen, schaffen eine Gesamtstimmung von Ernsthaftigkeit, gelegentlich mit humorigen Momenten, und eine emotionale und intellektuelle Vertiefung, die wohl allen etwas bedeutet.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/Messies-Karl-Trudi-Stube_s.jpg" /></p>
<p><i>Nicht nur der Messie leidet, auch die Partnerin.</i><i></i></p>
<p>Eine höchst informative Website der Produktionsfilme enthält die Fortsetzung des obigen Statements des Regisseurs, einen klugen Essay von Damaris Lüthi, eine wertvolle Literaturliste und viele weitere interessante Auskünfte über den Film und das Phänomen der Messies: <a href="http://www.messies.ch/">www.messies.ch</a></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    
      <dc:subject>Behinderung</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Alter</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-03-27T17:05:33Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/mno/my-generation">
    <title>My Generation</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/mno/my-generation</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3><b>1968: Sie waren jung, frei und sexy</b></h3>
<p>Im Dokumentarfilm «My Generation» von Veronika Minder stellen sich drei Frauen und drei Männern des Jahrganges 1948 vor, die als Zwanzigjährige einiges von der 68er-Bewegung mitbekommen haben.</p>
<p>Im Dokumentarfilm «My Generation» verreisen sechs heute Sechzigjährige – mit uns – in eine Vergangenheit, die sie je verschieden erlebt haben: die Tänzerin Uschi Janowsky, der Physiker Jean-Pierre Ruder, der Drummer Fredy Studer, die nach Mystik Suchende Mary-Christine Thommen, der Journalist Willi Wottreng und die dreimal verheiratete Patrizia Habegger. Der Film kann Gleichaltrige oder auch Nachgeborene bei ihrer Erinnerungsarbeit anregen und herausfordern.</p>
<h3><b>Interessant vor allem für die um 1948 herum Geborenen</b></h3>
<p>Für einige der Dargestellten war eine explizit linke politische Haltung wichtig, für andere die sexuelle Befreiung, die Karriere, Reisen in die weite Welt oder das Ausprobieren neuer Lebensformen. Der Report reflektiert ihre Jugend, die 68er-Bewegung, die fundamentalen gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte und ihre Ansichten über die Zukunft. Neben biografischen Fakten werden darin auch philosophische Motive wie die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit beleuchtet.</p>
<p>Gekonnt verknüpft die Autorin Interviews, historische Sequenzen, Alltagsszenen, Fotos, private Super-8-Aufnahmen mit persönlichen Geschichten und ungewöhnlichem und überraschendem Archivmaterial. «My Generation» erweist sich als spannende, facettenreiche Zeitreise von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück. Die sechs Porträts dürften weniger repräsentativ, als viel mehr individuell von grossem Interesse sein.</p>
<h3><b>Anmerkungen der Regisseurin Veronika Minder</b></h3>
<p>Mein Film porträtiert drei Frauen und drei Männer, die 1948 geboren worden sind. Deren Lebensentwürfe, Ansichten und Einsichten haben mich bei meiner Recherche persönlich sehr berührt. Bei einigen sind es die Brüche und die Verletzungen, mit denen sie konfrontiert wurden, bei anderen ihre Weltanschauungen oder ihr ungebrochener Elan und ihre Vitalität.</p>
<p>Der Film streift wichtige geschichtliche Ereignisse nur am Rand. Mich interessieren vor allem die individuellen Lebensgeschichten, das persönlich Erlebte der Porträtierten, ihre damalige Haltung dazu und wo sie heute, als ältere Menschen, stehen.</p>
<p>Wir ersten Babyboomer sind die Generation, welche die ländliche und ärmliche Schweiz der Nachkriegsjahre als junge Menschen erlebt hat. Wir erinnern uns noch lebhaft an muffige und überfüllte Schulstuben, prügelnde Lehrer, Pausenmilch und Schiefertafeln. An winzige Kinderzimmer in engen Wohnungen. An die Mittagessen am Familientisch mit dem Zeitzeichen und den Nachrichten von Radio Beromünster. An handgestrickte Strumpfhosen, Ärmelschoner, Schürzen, Knickerbocker.</p>
<p>Erst als Teenager sind wir in einem boomenden Westeuropa in die frühe Konsumgesellschaft hineingewachsen. 1968 wurden wir 20 und lehnten uns in einer weltweiten Bewegung gegen die politischen und moralischen Ansichten unserer Eltern auf. Doch dieser historische Einschnitt war nicht für alle zentral.</p>
<p>Dass die ersten Babyboomer nun ins Rentenalter kommen, ist eine Plattitüde. Und ebenfalls ausgelutscht ist das Thema «1968 – und die Folgen». Warum also wieder ein Film, der um diese Bereiche kreist? Der ältere Menschen ins Zentrum stellt? Jene «grauen Mäuse», von denen es ja nicht umsonst heisst, dass sie in nächster Zukunft die Sozialwerke belasten werden, die schuld sind an Kuschelpädagogik, political correctness und Birkenstocksandalen?</p>
<p>Da ich selbst eine von denen bin, will ich zum belasteten Thema andere Bilder und Geschichten beitragen. Daher begann ich vor vier Jahren, über Gleichaltrige zu recherchieren. Ich konzentrierte mich auf meinen eigenen Jahrgang, weil ich 1968 ja selbst 20 wurde.</p>
<p>Meine Hauptfragen an die Interviewten waren: Wo kommen wir her? Warum sind wir die geworden, die wir sind? Was ist aus unseren Idealen geworden? Wie gestalten wir unsere Gegenwart – und wie gehen wir mit dem Älterwerden um? Oder auch: Gibt es ein Leben nach dem Tod?</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/my%20generation%20-%20titel.jpg/@@images/image/large" /></p>
<h3><b>Ein Blick auf die historischen Hintergründe</b></h3>
<p><b><i>1948 bis 1968</i></b></p>
<p>Im Jahre 1948 wurden die Menschenrechte erklärt, die Währungsreform eingeführt, der Staat Israel gegründet und begann für die Palästinenser die Nakba.</p>
<p>Das Blockdenken des Ost-West-Konflikts, der so genannte Kalte Krieg, begann die politische Agenda der nächsten Jahrzehnte zu beherrschen. Trotzdem glaubte man damals wieder an die Zukunft.</p>
<p>Eine direkte Folge davon waren die frühen Babyboomer, die geburtenstarken Jahrgänge der nach dem Krieg Geborenen. Deren Kindheit und Jugend waren überschattet von der Angst vor der Atombombe und dem Kommunismus.</p>
<p>In den Schulen herrschten Drill und Körperstrafe und kratzten die Kinder mit Griffeln auf Schiefertafeln. Spielplätze, falls es welche gab, waren kahl und fantasielos. Mädchen trugen Schürzen und gestrickte Strumpfhosen, nur bei Schnee oder zum Skifahren waren Hosen erlaubt.</p>
<p>Ohne diese Vorgeschichte zu kennen, fällt es heute schwer, die 1968er-Revolte der Hippies, Studenten und Lehrlinge, Feministinnen oder Bürgerrechtsaktivisten zu verstehen.</p>
<p>Schon die Existenzialisten und Nonkonformistinnen, die Rocker und Halbstarken kämpften gegen das verkrustete Establishment der Nachkriegszeit. Doch erst der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und den frühen Hippies Mitte der 1960er-Jahre gelang es, die Protestkultur zu einem allgemeinen, weltweiten Phänomen zu machen.</p>
<p><b><i>1966 bis 1977</i></b></p>
<p>Diese Zeitspanne war für die Menschen im Film prägend. Viele Jugendliche flüchteten damals aus einem meist einengenden Elternhaus oder wurden rausgeschmissen und nahmen ihr Leben selbst in die Hand.</p>
<p>Sie waren wegen der Pille sexuell freier als frühere Generationen, waren neugierig, flexibel und verfügten in der Hochkonjunktur häufig über schnell verdientes Geld.</p>
<p>Nach dem Motto «Unter dem Pflaster liegt der Strand» eroberten sie den öffentlichen Raum. Und wenn dies in der Heimat nicht ging, brachen sie nach Kabul, Goa, Katmandu oder Ibiza auf. Sie fühlten sich als Teil einer neuen Avantgarde, kreierten ihre eigene Mode, hörten laute Musik und lebten nach eigenen ethischen Grundsätzen.</p>
<p>Die Angst vor Jobverlust und sozialem Abstieg waren in diesen Zeiten der Vollbeschäftigung nicht vordergründig. Man lebte nach dem Lustprinzip. Hauptsache: anders als die Elterngeneration.</p>
<p><b><i>1980 bis ins dritte Jahrtausend</i></b></p>
<p>Viele Menschen mit Jahrgang 1948 waren überzeugt, das Jahr 1984 nicht zu erleben. Sie konnten sich nicht vorstellen, älter zu werden: «Traue keinem über 30» und «Alles! Jetzt!» waren ihre Parolen. Umso mehr war es für etliche ein Schock, in den Augen der Punks in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre plötzlich als «langweilige alte Fürze» dazustehen.</p>
<p>Der Schock war für viele durchaus heilsam, machte er doch klar, dass es langsam nötig wurde, ein Leben als Erwachsene zu führen. In den 80er-Jahren hatten die meisten auf dem «Marsch durch die Institutionen» beruflichen Erfolg. Die Wildesten kriegten die Kurve nicht. Einige stürzen in die Drogenszene ab. Ein paar wenige halten die alten Ideale bis heute hoch. Nach Glasnost, Perestroika und dem Fall der Berliner Mauer stossen ihre politischen Ziele und Lebensformen heute oft auf wenig Verständnis.</p>
<h3><b>Die Mitwirkenden im Film «My Generation»</b><i></i></h3>
<p><b><i>Fredy Studer:</i> «<i>Damals gab es noch keine Jugendhäuser, so haben wir manchmal nachts im Parkhaus eine Session gemacht.»</i></b></p>
<p>«Kulturell war das eher prolo», meint der Schlagzeuger über seine Herkunft. Die Eltern waren beide Verdingkinder und arbeiteten später bei der Viscosuisse in Emmenbrücke. Die Lehre als Hochbauzeichner machte er eher widerwillig, aber als Drummer hatte er in Luzern schon bald einen guten Namen. In den frühen 1970ern spielte er als Schlagzeuger Rock-Jazz in der Formation OM und wurde national und international bekannt. Der Autodidakt hat mit zahlreichen Grössen des Jazz zusammengespielt und ist auf über 50 Tonträgern zu hören. Sein Tourneeplan ist immer noch voll. Häufig ist er im Trio mit Hans Koch und Martin Schütz unterwegs oder spielt mit seiner neuen Gruppe «Phall Fatale». Er lebt mit seiner Lebenspartnerin Katharina zusammen. Die beiden sind seit dreissig Jahren ein Paar, im Leben des trommelnden Weltenbummlers ist sie der Fixstern.</p>
<p><b><i>Patrizia Habegger-Egli: «Älter als 45 wollte ich auf keinen Fall werden, alles darüber schien mir uralt.»</i></b></p>
<p>Patrizia wuchs als Einzelkind in Bern auf, der Vater war Patentanwalt, die Mutter Hausfrau. Der grösste Wunsch des Vaters war, dass die Tochter studiert. Sie lehnte sich aber früh gegen das autoritäre Elternhaus auf und rebellierte. Sie verkehrte in einschlägigen Bars und Kneipen, wurde bald schwanger und zog mit ihrem ersten Ehemann und der kleinen Tochter nach Paris. Doch das vermeintliche Eheglück hielt nur kurz. Es kam zur Scheidung. Patrizia lebte in WGs und pendelte in den 1970ern zwischen der Schweiz und Indien. Sich und ihr Kind hat sie mit Nähen und Gelegenheitsjobs über die Runden gebracht. Mit ihrem dritten Ehemann, dazwischen lagen eine weitere Scheidung und mehrere Trennungen, ist sie seit über 20 Jahren zusammen. Pät, wie sie sich nennt, kann nur noch stundenweise arbeiten, denn sie leidet an gravierenden Spätfolgen eines Unfalls mit dem Deltaflieger und bezieht eine Invalidenrente.</p>
<p><b><i>Uschi Janowsky: «Ich habe mich erst mit 30 getraut, meine Mutter zu fragen, wer mein Erzeuger ist.»</i></b></p>
<p>Uschi ist ein «Produkt von Schokolade und Seidenstrümpfen» und hat als Besatzerkind in Deutschland eine schwierige Jugend erlebt. Sie kommt aus ärmlichen Verhältnissen, trotzdem haben die Eltern, die Mutter verheiratet sich später, dem begabten Kind den Besuch einer Ballettschule ermöglicht. Mit 17 erhielt sie ein Engagement als Gruppentänzerin am Städtebundtheater Biel-Solothurn und zog in die Schweiz. Sie heiratete, trennte sich zwei Jahre später und arbeitete mehrere Jahre als Serviceangestellte, um sich und ihre Tochter über die Runden zu bringen. 1978 eröffnete sie in Biel ihr eigenes Afro-Jazztanz-Center. Uschi erhielt verschiedene Preise, auch ein Stipendium für einen halbjährigen Aufenthalt in New York. Seit 2000 unterrichtet sie in einem Tanzstudio, ist Gastdozentin an der Sportschule Magglingen, den Universitäten Basel und Lausanne und arbeitet in einem Heim für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Rassismus und die Suche nach der eigenen Identität sind für Uschi Themen, die sie bis heute beschäftigen. Nachdem sie lange ihre Wurzeln in Afrika gesucht hat, sieht sie sich heute als Weltbürgerin, die gerne in einer Kleinstadt wie Biel wohnt.</p>
<p><b><i>Jean-Pierre Ruder:</i> «<i>Das Weltall interessierte mich auf der Suche nach der eigenen Menschwerdung.»</i></b></p>
<p>Jean-Pierre Ruder hat eine zielgerichtete akademische Karriere verfolgt. Schon im Gymnasium hat er sich für Naturwissenschaften interessiert, danach studierte er an der Universität Bern Chemie und Physik. Nach dem Studium ging er mit seiner Frau und den zwei kleinen Kindern «postgraduate» nach Kanada. Ab 1981 arbeitete er in der eidgenössischen Verwaltung, zunächst beim BAG, später machte er eine Karriere beim EDI. Dort beschäftigte er sich mit Raumfahrt, Astronomie, Teilchenphysik und war Vertreter der Schweiz in internationalen Gremien wie dem CERN. 2008 kündigte er beim Staatssekretariat für Bildung und Forschung, als 60-Jähriger mochte er nicht mehr 120 % arbeiten. Heute ist er zu 50 % als Projektleiter an der Universität Zürich angestellt. Jean-Pierre glaubt nicht an Gott und an ein Leben nach dem Tod. Religionen oder kreationistisches Gedankengut sind nicht sein Ding. Übers Älterwerden drückt er sich pragmatisch aus: Zerfall ist für ihn ganz einfach eine biologische Tatsache.</p>
<p><b><i>Mary-Christine Thommen-Gilomen:</i> <i>«Heute versuche ich, mit der Stille zu leben.»</i></b></p>
<p>Nach einer einsamen, leidvollen Kindheit, die sie zum grossen Teil allein mit der Mutter verbracht hatte, besuchte Mary-Christine in Bern eine Handelsschule. Um von zu Hause wegzukommen, heiratete sie früh und wurde bald Mutter. Sie war eine passionierte Mama, die alles besser machen wollte als ihre Mutter. Ihre Sehnsucht nach einem bürgerlich geordneten Leben erfüllte sich aber nicht, sie trennte sich von ihrem Mann, «der nicht Liebe gesucht hat, sondern Sex». Sie hatte es nicht leicht als alleinerziehende Mutter, war aber beruflich erfolgreich und begegnet mit 38 der Liebe ihres Lebens. Als diese jedoch zerbrach, konzentrierte sie sich völlig auf ihre Arbeit als Sachbearbeiterin. Ihren Verdienst legte sie auf die hohe Kante, um sich ihren Lebenswunsch vom eigenen Haus zu erfüllen. Anfangs der 1990er kaufte sie sich eine Ruine im Basler Jura und fuhr jedes Wochenende dorthin, um so viel wie möglich selber zu renovieren. Mit 60 liess sie sich vorzeitig pensionieren, heute lebt sie hauptsächlich in Frankreich. Sie ist eine Suchendem und beschäftigt sich intensiv mit der christlichen Mystik.</p>
<p><b><i>Willi Wottreng: «Ich werde nie mehr Flugblätter verteilen.»</i></b></p>
<p>Willi wuchs als mittleres von drei Kindern auf und erlebte eine heitere und unbeschwerte Jugend in Uitikon. 1961 bis 1967 besuchte er das neu erbaute Gymnasium Freudenberg, damals ein reines «Buben-Gymi». Anschliessend studierte er Geisteswissenschaften, war Redaktor beim «Zürcher Student» und engagierte sich im Vorstand des Verbandes Schweizerischer Studentenschaften. 1971 beendete er seine Studien in Philosophie, Politologie und Geschichte an der Universität Marburg. Wieder in Zürich, schloss er sich einer maoistischen Gruppierung an und baute mit Kollegen und Freundinnen die kommunistische Partei der Schweiz marxistisch/leninistisch auf. 1986 kam es zum Eclat. Willi ist mit seiner Freundin aus der Gruppe ausgestiegen und in eine Krise gefallen. Als bald 40-Jähriger musste er sich neu definieren. Er begann, als Journalist zu arbeiten. Seit 2002 ist er Redaktor im Ressort «Hintergrund und Meinungen» der «NZZ am Sonntag», wo er die Rubrik «Nachrufe» betreut. Ab 1995 hat er sich auch als Autor von Büchern zur Schweizer Sozialgeschichte einen Namen gemacht. Bislang sind mehr als ein Dutzend Publikationen von ihm erschienen.</p>
<p><a class="external-link" href="http://www.filmcoopi.ch/">www.filmcoopi.ch</a></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    
      <dc:subject>Jugend</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Alter</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-03-22T18:19:52Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/tuv/the-best-exotic-marigold-hotel">
    <title>The Best Exotic Marigold Hotel</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/tuv/the-best-exotic-marigold-hotel</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/patel.JPG" />Der britische Regisseur John Madden entführt  Seniorinnen und Senioren – und uns – mit «The Best Exotic Marigold  Hotel» in ein abenteuerliches und anregendes Wohlfühl-Abenteuer.</p>
<p>Eine Gruppe englischer Pensionäre, verkörpert von  Stars wie Judi Dench, Maggie Smith, Bill Nighy, Tom Wilkinson, Celia  Imrie, Penelope Wilton und Ronald Pickup, beschliesst, aus je  verschiedensten Gründen, nach Indien auszuwandern und dort ihren  Ruhestand zu verbringen. Hier ist das Leben billiger, die Rente mehr  wert und eine besondere Exotik zu erwarten. In Vorfreude auf das  restaurierte Marigold Hotel, das sie gewählt haben, hoffen sie auf einen  geruhsamen Alterssitz, müssen aber entdecken, dass der einstige Palast  seine besten Tage weit hinter sich hat. Obwohl ihr neues Heim weit  weniger luxuriös ist als gedacht, entdecken sie mit der Zeit dennoch,  dass das Leben und vielleicht sogar die Liebe hier für sie nochmals von  vorn beginnen können, wenn sie bloss die Vergangenheit abstreifen.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/dench" /></p>
<h4 class="heading-norm-orig-h3"><b>Zusammen mit Stars das Alter erkunden und geniessen</b></h4>
<p>Regisseur  John Madden, der einst mit «Shakespeare in Love» zu Oscar-Ehren gelangt  ist, verfrachtet in diesem Wohlfühl-Film das bunte Grüppchen nicht mehr  ganz junger Briten von der nebligen Insel nach dem sonnigen Indien, vom  Gewöhnlichen zum Ungewöhnlichen, vom Bekannten zum Unbekannten,  insgesamt zur «terra incognita» des Alters und des Alterns.</p>
<p>Da ist  zum Beispiel die frisch verwitwete, jetzt verschuldete und vereinsamte  Evelyn  (Judi Dench), dort das verkorkste Ehepaar Douglas (Bill Nighy)  und Jean (Penelope Wilton) und weiter der erfolgreiche Ex-Richter Graham  (Tom Wilkinson), der ein Leben lang darauf gewartet hat, in Jaipur die  Liebe seines Lebens wiederzufinden, sowie die fremdenfeindliche Muriel  (Maggie Smith), die nur ihrer Hüftoperation wegendie Heimat verlässt.  Einmal im «Best Exotic Marigold Hotel» angekommen, gesellt sich zur  Aufregung des Neuanfangs im fremden Land vor allem eine grosse  Ernüchterung. Das von dem jungen Sprücheklopfer Sonny (Dev Patel)<b>,</b> bekannt aus «Slumdog-Millionär», siehe Titelbild) geleitete Hotel ist  mehr als baufällig, auf Strom oder Telefon ist kein Verlass, das Essen  gewöhnungsbedürftig. Nach einer Weile allerdings haben sich zumindest  die Mutigen unter ihnen etwas mit der indischen Lebensfreude infiziert,  was ganz zum Genre des Wohlfühl-Kinos passt.</p>
<h4 class="heading-norm-orig-h3"><b>In neuer Umgebung ein neues Leben starten</b></h4>
<p>In  vielen aktuellen Filmen prallen Generationen oder Kulturen aufeinander,  bis die Beteiligten am Ende neue Seiten an sich entdecken, die das  Gegeneinander zu einem Miteinander führen können. Genauso macht es der  Routinier John Madden. Die Charaktere in seinem Film sind ausgesucht  charmant und filmreif verschroben, insgesamt allesamt liebenswert und  interessant. Schliesslich kommt fast alles, wie man es erwartet hat, von  ein paar kleinen überraschenden und bewegenden Episoden abgesehen. Die  indische Folklore hält sich in Grenzen, das moderne Stadtleben pulsiert  im Hintergrund, die berührenden Geschichten der sieben bieder-braven  Seniorinnen und Senioren stehen im Vordergrund.</p>
<h4 class="heading-norm-orig-h3"><b>Auch leichte Unterhaltung kann gut tun</b></h4>
<p>ch  denke mir, der Regisseur dieses zweistündigen Films ging ohne eine  spezielle Absicht und ohne besondere Botschaft an diesen Film heran. Er  hatte ja exzellente Schauspielerinnen und Schauspieler, ein Drehbuch  nach einem erfolgreichen Buch mit vielen unterhaltsamen  Seniorengeschichten, eine hoch professionelle Equipe mit einem  ansehnlichen Budget. Das ergab dann «The Best Exotic Marigold Hotel».  Auch ohne besondere Botschaft zum Altersthema lohnt sich der Besuch  dieses Films.</p>
<p>Zum Ersten, weil es wichtig ist, dass Filme mit  älteren Menschen ins Kino kommen. Denn es geht darum, dass die Alten,  das Alter und das Altern in einer wesentlich durch die Jugend geprägten  Gesellschaft vorkommen, wahrgenommen werden – und die Gesellschaft sich  damit auseinandersetzt.</p>
<p>Zweitens lohnt es sich – wenn wir davon  ausgehen, dass Filme bloss zur einen Hälfte von den Filmemachern, zur  andern von uns gemacht werden –, dass wir diese Filmgeschichten zu  unsern Geschichten machen. Denn es tut gut, wenn wir als alternde  Menschen Varianten des Alt-Seins, Alternativen des Alterns durchdenken,  durchspielen, durchleben: bei Evelyn, Graham, Muriel, Douglas, Jean und  allen andern.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/markt" /></p>
<p>Es  braucht, so zeigt dieser Film, nicht immer hochartifizielle filmische  Meisterwerke, dass wir im Kino für uns einen menschlichen Mehrwert  erhalten. Auch ein massentauglicher Film wie «The Best Exotic Marigold  Hotel» kann uns das bieten.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    
      <dc:subject>Alter</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-03-19T13:56:10Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/def/et-maintenant-on-va-ou">
    <title>Et maintenant on va où?</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/def/et-maintenant-on-va-ou</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3><b>Wie Frauen die Kriege der Männer bekämpfen</b></h3>
<p>Der Spielfilm «Et maintenant on va où?» der Libanesin Nadine Labaki erzählt, wie in einem Ort im Nahen Osten die Frauen den Männern mit Witz und Humor beibringen, wie man vom Kriegen ablassen kann.</p>
<p>Ein namenloses und sonnenverbranntes Dorf irgendwo im Nahen Osten, wahrscheinlich im Libanon: Die einzige Verbindung zur Aussenwelt bildet eine marode Brücke, die Zufahrt ist von Minenfeldern umgeben, und der Fernsehempfang ist schlecht. Hier leben Moslems und Christen jahrein, jahraus in einer Oase des Friedens, in der zwar gelegentlich über Nichtigkeiten gestritten wird, sonst aber Harmonie und Friede herrscht. Selbst Kirche und Moschee stehen nur einen Steinwurf auseinander, und der Priester und der Imam arbeiten zusammen.</p>
<p><img class="image-right" src="../../../../bilder/streitende%20manner.jpg/@@images/image/preview" /></p>
<p>Doch von Zeit zu Zeit eskalieren die Spannungen und Konflikte, gibt es Gewalt der Männer des Dorfes mit den Männern anderer Dörfer. Davon haben die Frauen genug. Das wollen sie mit aller Macht und List verhindern. Sie lassen sich die verrücktesten Dinge einfallen, um die kritischen Situationen zu entschärfen und die Männer auf andere Gedanken zu bringen. Und dabei geschehen Wunder und Zeichen. Ein Trupp ukrainischer Stripperinnen taucht unverhofft im Dorf auf, eingeladen von den Frauen. Der Fernseher bringt anstelle der Kriegsberichterstattung Liebesfilme für die streitlustigen Machos. Und das Essen wird von den Frauen, anstatt mit Zimt und Koriander, mit Haschisch und Schlafmitteln gewürzt, was seine Wirkung zeigt. Die Männer werden high und ausgelassen, dass zumindest für die nächsten Stunden Friede, Freude, Eierkuchen herrscht im Dorf. Die Hähne lassen ab von den streitbaren Gedanken und vergessen ihre Aggressionen. Die freizügig gekleideten sexy Damen bleiben im Dorf, bis ihr Bus, der in Dorfnähe «eine Panne hatte», repariert ist. Während sich die Damen bei den Familien häuslich einrichten, stehen die Männer beim Friseur Schlange, um auch ja eine gute Falle zu machen. Und während sie sich mit den Tänzerinnen vergnügen, nutzen die Frauen des Dorfes nachts die Gelegenheit, um heimlich das Waffenlager ihrer Männer zu plündern und die Waffen unauffindbar zu vergraben.<br /><img class="image-left" src="../../../../bilder/trauernde%20frauen.jpg/@@images/image/preview" /></p>
<p>Nadine Labaki, die Regisseurin, Mitdrehbuchautorin und -schauspielerin des Films, wurde 1974 im libanesischen Baabdat geboren. Ihr Grossvater besass ein Kino, ihr Vater kaufte sich von seinem ersten Gehalt eine Kamera und machte Nadine und ihre jüngere Schwester Caroline, die heute ebenfalls Filmemacherin ist, schon als kleine Mädchen zu Stars seiner Super-8-Filme. Weil die Schwestern während des Bürgerkrieges häufig zu Hause bleiben mussten, guckten sie viel Fernsehen oder liehen sich Videokassetten aus. «Filme erlaubten mir, dem bedrückenden Alltag zu entfliehen», erinnert sich die Regisseurin. Nach dem Abitur schrieb sie sich, unterstützt von ihren Eltern, an der Beiruter Universität für das Filmstudium ein. Danach arbeitete sie in der Videoclip- und Werbebranche. Beim Festival du Film Européen in Beirut lernt sie die französische Produzentin Anne-Dominique Toussaint kennen, die sich spontan bereit erklärte, Nadines Debütfilm <a class="internal-link" href="../abc/caramel">«Caramel»</a><a href="http://www.it-inside.ch/sites/der-andere-film.ch/filme/filme/titel/abc/caramel"></a> und später auch «Et maintenant on va où?» zu produzieren. Die US-Fachzeitschrift «Variety» wählte Nadine Labaki 2007 zu den zehn vielversprechendsten Regisseuren. Obwohl sie an der Universität «vor lauter Schüchternheit» zunächst an der Schauspielerei keinen Gefallen fand, brachte sie das Regieführen auf den Geschmack, und inzwischen hat sie sich auch als Darstellerin einen Namen gemacht.</p>
<p><img class="image-right" src="../../../../bilder/funf%20badende%20-%20titel.jpg/@@images/image/preview" /></p>
<p>Vier Jahre nach ihrem wunderbaren, leichten und charmanten Erstling, der in einem Beiruter Schönheitssalon spielt, wo Frauen so ihre augenzwinkernden Anmerkungen zum Islam machen, kehrt Nadine Labaki mit ihrem zweiten Spielfilm zurück und siedelt ihn diesmal in einem namenlosen Land an, das jedoch unschwer als Libanon zu erkennen ist. Mit ihrer märchenhaft anmutenden Tragikomödie «Et maintenant, on va où?» rückt sie den politischen Alltag und die unentrinnbare Gewalt, die sie im ersten Film ausgespart hatte, ins Zentrum der Geschichte. Sie schildert zwar nicht die grossen Kriege, sondern das nach wie vor immer wieder schwierige Zusammenleben von Christen und Moslems. Sie lässt erahnen, dass ein friedliches Miteinander im Nahen Osten ein Zukunftstraum sein könnte, für den es sich zu kämpfen lohnt.</p>
<p>Mit mediterraner Leidenschaft, Farben und einem feinen Gespür für Komik entsteht so das hoffnungsvolle Bild einer Welt, die von Frauen und Mütter regiert wird und in der den Männern den ihnen zustehenden Platz erhalten. Zwischen Pathos und Humor, Poesie und Tempo, Augenzwinkern und Stirnrunzeln gelingt Labaki ein intelligenter, bewegender Film, der mit der Kraft seiner sonnenverbrannten Bilder und der Intensität seiner meist im Dorf lebenden Laiendarstellerinnen fasziniert. «Et maintenant on va où?» ist ein witziges Plädoyer gegen religiösen Fanatismus, Chauvinismus und Gewalt und für Toleranz, Frieden und Vernunft, in Form einer Komödie mit Gesang und Tanz. Ein Film, der sich nicht hinter der schwierigen Realität versteckt, die entstanden ist durch Hass, Intoleranz und der tief sitzenden Überzeugung vieler Männer, dass man Probleme mit Gewalt, nötigenfalls mit Kriegen lösen müsse.</p>
<p><a class="external-link" href="http://www.werweisswohin-derfilm.de">Informationen und Trailer</a><a href="http://www.werweisswohin-derfilm.de/"></a></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    
      <dc:subject>Gewalt</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Sexualität</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Palästina</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-03-17T17:45:58Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
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  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/mno/balkan-melodie">
    <title>Balkan Melodie</title>
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    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<p>Der Film «Balkan Melodie» von Stefan Schwietert erzählt von Marcel und Catherine Cellier, die ihre gemeinsame, lebenslange Leidenschaft für die Musik Osteuropas auslebten und uns so vermitteln.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/balkan-titel.jpg/@@images/image/preview" /></p>
<p><i>Marcel und Catherine Cellier blicken auf ihr Werk zurück.</i></p>
<p>Inmitten des Kalten Krieges durchbrach das Paar alle Grenzen, sammelte auf teils abenteuerliche Weise die bis dahin im Westen unbekannten Klänge aus dem Osten. Mit unzähligen Radiosendungen und Millionen Schallplatten öffneten sie Musikern wie dem rumänischen Panflötenvirtuosen Gheorghe Zamfir und den legendären Frauenstimmen von «Le Mystère des Voix Bulgares» den Weg zum Ruhm. Im Kontrast der Begegnungen von damals und jenen von heute wird gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte aufgerollt, das von der Veränderung der Menschen unter verschiedenen politischen Systemen und gleichzeitig von der Unsterblichkeit zeitloser Musik erzählt. Der junge Schweizer, seinerzeit Vertreter einer Metallhandelsfirma, reiste mit seiner Frau Catherine hinter den Eisernen Vorhang. Fasziniert von den entrückten Melodien aus dem Autoradio wiederholte der Musikbegeisterte mit seiner fotografierenden Frau solche Reisen vom Schwarzen Meer bis an die Ostsee durch die Hauptstädte und Provinzen, in denen die Volksmusik fester Bestandteil des täglichen Lebens war. Über vierzig Jahre lang sammelten und dokumentierten die beiden die herausragendsten Beispiele der Musik des Balkans (ohne exakte Grenzziehung zwischen den bereisten Ländern).</p>
<h3><b>Vom Mysterium der Stimmen und Klänge</b></h3>
<p>Auf den Spuren der Celliers bereiste in den letzten Jahren der Filmemacher Stefan Schwietert Osteuropa. Ausgestattet mit den alten Musikaufnahmen, Reisetagebüchern, Fotos und Super-8-Material begann seine Expedition in Rumänien, um Musiker, Sängerinnen und Orte von damals zu treffen. In Bukarest arbeitet der ehemalige Plattenmillionär Gheorghe Zamfir heute verarmt und unglücklich als Musiklehrer. In Maramuresch im Norden Rumäniens lebt eine Handvoll Musiker, deren Musikerdasein durch den Kommunismus «verstaatlicht» worden ist. In Bulgarien trifft er auf die legendären Sängerinnen von «Le Mystère des Voix Bulgares», deren Weg in den kleinen kommunistischen Bergdörfern begann und auf die grossen Bühnen des Westens führte. Und schliesslich trifft er die Zigeuner-Formation «Mahala Rai Banda», welche die traditionelle Musik erfolgreich ins neue Jahrtausend hinüberrettete.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/balkan%20gruppe.jpg/@@images/image/preview" /></p>
<p><i>Ioan Pop und die Grupul Iza spielen in Fabriken</i></p>
<h3><b>Die Retter und Vermittler der Musik …</b></h3>
<p>Marcel Cellier wurde 1925 in Zürich geboren, stammt aus einer hugenottischen Darbystenfamilie und wird äusserst puritanisch erzogen. Tanz und Theaterbesuche sind bei ihnen als Frivolitäten verpönt. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen wird der Junge von Anfang an von der Sinnlichkeit der Musik angezogen. Er lernt dank seines absoluten Musikgehörs von der Flöte bis zum Cello jedes ihm zugängliche Instrument. Die Eltern zwingen ihn jedoch zu einer Banklehre, er wird Kaufmann und arbeitet bis zu seiner Pensionierung für eine Schweizer Erz- und Metallfirma in Osteuropa. «Ich hatte mit Silizium, Kupferminen und Manganerzen zu tun und stiess auf eine Goldmine, nämlich die noch lebendige Volksmusik», meint er in der Rückschau. Bereits 1950 auf seiner ersten Reise nach Bulgarien begleitete ihn seine künftige Frau Catherine. Im Auto hatte sie ein kleines Emerson Radiogerät auf den Knien, mit dem sie Radio Sofia, Bukarest und Skopje empfangen konnten. Da hörten sie erstmals die beschwörenden, bei uns noch unbekannten Stimmen und Instrumente mit ihren fremdartigen Klangfarben und Modulationen der autochthonen Musik dieser Länder.</p>
<h3><b>… die Protagonisten</b></h3>
<p><b><img class="image-inline" src="../../../../bilder/balkan%20zamphir.jpg/@@images/image/preview" /><br /></b></p>
<p><i>Zamphir, heute als alternder Lehrer in der Musikschule</i></p>
<p>Gheorghe Zamfir, der den Älteren von uns noch wohlbekannt sein dürfte, kam 1941 in den südlichen Karpaten zur Welt. 1968 stellt der Leiter des Folklore-Instituts in Rumänien Marcel Cellier den im Westen noch unbekannten Panflötenvirtuosen vor. Zu dieser Zeit hat dieser als staatlich ausgebildeter Folkloremusiker und Teil der vom kommunistischen Regime geförderten Festival- und Fernsehkultur rund um die Volksmusik national bereits einen Namen. Nach seiner Entdeckung veröffentlichte er in seinem Leben über 200 Alben und CDs, verkaufte über 40 Millionen Tonträger, erhielt 90 Gold- und Platinschallplatten und trat in den grossen Sälen aller fünf Kontinente auf. Zum Weltstar wurde er jedoch erst mit Evergreens und Filmmusiken, sein Sound trifft den Zeitgeist der Post-Hippie-Generation.</p>
<p><img class="image-inline" src="../../../../bilder/balkan-frauen.jpg/@@images/image/preview" /></p>
<p><i>Die Frauen mit den geheimnisvollen Stimmen</i></p>
<p>In Bulgarien existierte eine lange Gesangstradition der Frauen, die als «Le Mystère des Voix Bulgares», bis in die Zeit der Thraker zurückreichte. Sie lebte bis zum Ende des Sozialismus in allen Regionen des Landes als Teil des Alltags weiter. Die kehligen Stimmen der Frauen haben eine einmalige, ätherische Qualität. Die bewusst eingesetzten Dissonanzen kreieren eine schwebende beinahe hypnotische Atmosphäre.</p>
<p>Weiter sehen und hören wir im Film den Bauernsohn<i> </i>Ioan Pop. Bereits als Kind lernte er nach Gehör und ohne Noten die populären Instrumente zu spielen, trat an Hochzeiten und anderen Festen zum eigenen Vergnügen und um sich die Schule zu finanzieren auf. Mit knapp zwanzig wurde er vom Folk-Ensemble Baia Mare engagiert, mit dem er zehn Jahre lang auf Tourneen ging. Er beurteilt den Einfluss des Kommunismus auf die lokale Folklore kritisch: Die alten Bräuche und Lieder, die vorher im Alltag integriert, zu Hause, auf dem Feld, bei der Arbeit oder zu besonderen Feiern in den Dörfern stattgefunden haben, werden jetzt auf die Bühne geholt und dort, von jedem realen Zusammenhang losgekoppelt, als Kunstform präsentiert. 2000 gründete er die Formation «Grupul Iza», mit der er den reichen musikalischen Schatz der Gegend in die Zukunft überführen will<b>.</b></p>
<p>Mit «Aurelio Ionita und die Mahala Rai Banda» kommt eine Stimme der jüngeren Generation zu Wort, die jedoch die postkommunistische Entwicklungen im Musikgeschäft genau durchschaut hat: «Nach dem Fall des Kommunismus gab es kein grosses Interesse mehr für die eigene Musik. Wir hörten vor allem Musik aus dem Ausland, von überall her.» Doch ihn beeindruckte weiter die eigene Musik, für die er sich auch weiter einsetzt.</p>
<h3><b>… und der Filmemacher Stefan Schwietert</b></h3>
<p>Zusammen mit Marcel und Cathrine Cellier hat der Schweizer Filmemacher Stefan Schwietert diesen Film realisiert und damit der Musik des Balkans ein würdiges und gültiges Denkmal gesetzt. Mit «Heimatklänge» (2007), «Accordion tribe (2004), «Das Alphorn» (2003), «El acordeon del diablo» (2000) und «A tickle in the heart» (1996) schuf Schwietert sich den Titel als der weitherum beste Musikfilmer. Mit seinem neuen «Balkan Melodie» (2011) zeichnet er ein facettenreiches Fresko mit bewegenden Begegnungen mit Musikanten und Sängerinnen und herausfordernden Auseinandersetzungen zwischen Ost und West. Er geht mit uns auf eine musikalische Erkundungsreise ins unergründliche Reich der Klänge, welche damals wie heute begeistern. Der Wert des Films beruht für mich darin, dass hier die Musiker und Sänger ihre Musik und Gesänge leben und uns erleben lassen. Seine Schönheit darin, dass hier Musik und Gesang zwar von Ideologien ausgelöst werden, doch diese gleichzeitig immer wieder überwinden. Die Musik verbindet Gegensätze, der Gesang sprengt Grenzen: zwischen den Generationen, den Ideologien, den gesellschaftlichen Gegebenheiten.</p>
<p><a class="external-link" href="http://www.looknow.ch/">www.looknow.ch</a></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
    <dc:rights></dc:rights>
    
      <dc:subject>Balkan</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Kunst</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-03-07T21:52:49Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/mno/mama-africa">
    <title>Mama Africa</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/mno/mama-africa</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3>Miriam Makeba und der Weltfrauentag</h3>
<p>Am 8. März ist der Internationale Frauentag 2012, am 4. März hätte Miriam Makeba ihren 80. Geburtstag feiern können: zwei Daten zueinander in Beziehung gesetzt.</p>
<p><img class="image-inline" height="345" src="../../../../bilder/Mama_Africa_Titel.jpg" width="485" /></p>
<p>Mika Kaurismäkis Dokumentarfilm «Mama Africa» über die weltbekannte südafrikanische Sängerin Miriam Makeba (1932 – 2008), die ein halbes Jahrhundert lang die Welt bereiste und ihre politische Botschaft gegen Rassismus und Armut und für Gerechtigkeit und Frieden verbreitete, ist die eindrückliche Hommage für eine Frau, die wie keine andere die Stimme Afrikas verkörpert. Sie hat Musiker überall auf der Welt inspiriert und ein internationales Publikum begeistert. Gleichwohl blieb sie den südafrikanischen Wurzeln ihrer Musik immer treu. Ins Exil musste sie als 27-Jährige, nachdem sie im apartheidkritischen Dokumentarfilm «Come back, Africa» von Lionel Rogosin mitgewirkt hatte. Harry Belafonte verhalf ihr in die USA, wo sie 1962 bei einer Geburtstagsfeier von John F. Kennedy auftrat und fünf Jahre später mit «Pata Pata» ihren ersten Welthit landete. Als sie ein Jahr später den Black-Panther-Aktivisten Stokely Carmichael heiratete und ins Fadenkreuz des FBI geriet, floh sie nach Guinea und setzte ihr Engagement gegen das weisse Apartheid-Regime in ihrer Heimat von dort aus fort.</p>
<p>Den Lebensweg dieser aussergewöhnlichen Frau und Künstlerin, die musikalisch Furore machte und die Freiheitsbewegung in Südafrika vorantrieb, stellt der Film «Mama Africa» mit Hilfe von seltenen Dokumentaraufnahmen und Interviews vor: mit Freunden, Verwandten und Kollegen, die sie zum Teil schon seit deren Anfängen in den Dancehalls von Johannesburg kennen und schätzen gelernt hatte, sowie mit Vertreterinnen der jungen afrikanischen Musik.</p>
<h3><b>Nachgedanken …</b></h3>
<p>Das zufällige Zusammentreffen der beiden Daten – 8. März Internationaler Frauentag und 4. März 80. Geburtstag der verstorbenen Miriam Makeba – bewegten mich zu einigen verbindenden Gedanken:</p>
<p>Wieder einmal wird hier hautnah hör- und sichtbar, dass Musik und Gesang nicht nur zum Geniessen und Träumen sind, sondern, wie bei Miriam Makeba, zwar Genuss bereiten, doch gleichzeitig wachrütteln können gegen die Ungerechtigkeit in der Welt. Ihre Lieder sind nicht Wegträumen, sondern zum Hinträumen einer besseren Welt. Genau so, wie Dom Helder Camara es gesagt hat: «Wenn einer allein träumt, bleibt es ein Traum. Wenn aber wir alle gemeinsam träumen, dann wird es Wirklichkeit.» Miriam Makeba hat in ihren zahllosen Auftritten vor Tausenden von Menschen in Gemeinschaft geträumt – und der Traum wurde Wirklichkeit, die Apartheid in Südafrika wurde (wenigstens im Grundsatz) beendet.</p>
<p>Gesang und Musik können zum Kampf aufrufen gegen Ungerechtigkeit und für Freiheit. Makeba hat mit ihrer Kunst gegen die Apartheit und für die Rechte der Schwarzen gekämpft. Ihr Leben motiviert auch uns Nachgeborene zum Kämpfen, nicht auf die Art und Weise, wie es Männer normalerweise tun, nämlich mit Krieg, der nur Probleme schafft, nicht löst. Doch sie tat es mit Leidenschaft. Über allem Kampf macht sie bewusst, dass dahinter stets eine unendliche Lust auf Leben brennt. Ähnlich wie es Friedrich Nietzsche im «Trunkenen Lied» formuliert: «Die Welt ist tief und tiefer als der Tag gedacht. Tief ist ihr Weh, Lust, tiefer noch als Herzeleid. Weh spricht: Vergeh! Doch alle Lust will Ewigkeit; will tiefe, tiefe Ewigkeit.»</p>
<p><img class="image-inline" height="271" src="../../../../bilder/Mama_Africa_sw-drei.jpg" width="483" /></p>
<h3><b>… zum Film</b></h3>
<p>Der dänische Filmemacher Mika Kaurismäki, der Bruder des berühmteren Aki, hat für diesen Dokumentaressay viele unbekannte Dokumente ausgegraben und zusammen mit bekannten Aufnahmen den Film komponiert. Und er hat sie so montiert, dass daraus kein didaktischer Lehrfilm wurde, sondern eine Begegnung mit einer grossen Frau, einer Sängerin und Politikerin: spannend, faszinierend und unterhaltend («Unterhalt» verstanden als «Nahrung für die Seele»). «Ich singe die Wahrheit», ist denn auch ihr Bekenntnis, das sie unverwechselbar und einmalig macht.</p>
<p>Wie die Welt um Miriam Makeba damals ausgesehen hat, zeigt eine Schilderung an, die Ruedi Küng, ein ehemaliger Afrikakorrespondent von Radio DRS im Trigon-Magazin, Nummer 56, notiert hat: «Es gab in den 1950er Jahren einen todschicken Nachtclub an der Eloff Street in Johannesburg. Die reichen Weissen verkehrten dort. Es traten aber auch schwarze Musiker und Sängerinnen auf. Sie mussten den Lieferanteneingang benutzen. In ihren Glitzerkleidchen kamen die Sängerinnen durch die Küchentür ins Lokal, traten auf und verschwanden durch dieselbe Küchentür wieder, um danach in die Township zurückzukehren, wo sie wohnten.» Die wunderschöne Miriam Makeba gibt der Welt von dort und damals ein menschliches Gesicht.</p>
<p><img class="image-inline" height="271" src="../../../../bilder/Mama_Africa_05-mit%20kind.jpg/@@images/image/large" width="485" /></p>
<p>Viele ihrer Texte beinhalten klare, politische Aussagen. So wendet sie sich in «Mayibuye» direkt an ihr Volk: «Wach auf. Wir wahrhaften Südafrikaner haben lange unter den Gesetzen der weissen Leute gelitten. Die Zeit unserer Befreiung ist gekommen. Dieses Land gehört uns (…) Vertraut dem weisen Mann nicht, denn er ist gekommen, um uns unser Land wegzunehmen.» Aus dem tiefen Erlebnis, das der Film auslöst, werden hoffentlich auch bei uns Kräfte frei, die zum Weiterdenken und zum Handeln bewegen. Wenn Malcolm X, einer der Black-Panther-Vordenker, meint, «es ist unmöglich, an den Kapitalismus und nicht zugleich an den Rassismus zu glauben, es gibt keinen Kapitalismus ohne Rassismus», so trifft dieser Satz mitten in die heutige Diskussion über das Ende des Kapitalismus, dass unsere billigen Ausreden uns im Halse stecken bleiben.</p>
<p>Mariam Makebas Tod scheint mir symbolisch: Auf den 9. November 2008 wurde sie zu einem Benefizkonzert für den italienischen Schriftsteller Roberto Saviano geladen. Dieser hatte mit dem Buch (und später dem Film) «Gomorrha» nicht nur einen Bestseller verfasst, sondern auch den lebensgefährlichen Zorn der Mafia-Organisation Camorra auf sich gezogen. Das Konzert sollte die Solidarität der Bevölkerung mit ihm unter Beweis stellen. Miriam Makeba reiste aus Südafrika an und trat auf. Nach dem halbstündigen Konzert brach sie zusammen und starb am nächsten Morgen an den Folgen eines Herzinfarktes, mit 76 Jahren, fern ihrer Heimat, doch daheim bei den Ihren.</p>
<p>Trailer: <a class="external-link" href="http://www.trigon-film.org/de/movies/Mama_Africa"><span style="text-decoration: underline;">www.trigon-film.org/de/movies/Mama_Africa#</span></a></p>
<p>Mehr Infos: <span style="text-decoration: underline;"><a class="external-link" href="http://www.trigon-film.org/">www.trigon-film.org</a></span></p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
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      <dc:subject>EineWelt</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Kunst</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Miteinander</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-03-05T18:02:51Z</dc:date>
    <dc:type>Seite</dc:type>
  </item>


  <item rdf:about="http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/def/die-wiesenberger">
    <title>Die Wiesenberger</title>
    <link>http://www.der-andere-film.ch/filme/filme/titel/def/die-wiesenberger</link>
    <description></description>
    <content:encoded xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><![CDATA[<h3><b>Ein Chor, zwanzig Stimmen: eine Zerrreissprobe</b></h3>
<p>Während 20 Jahren pflegten «die Wiesenberger»  dieselben Rituale. Die singenden Bergler aus dem Kanton Nidwalden trafen  sich einmal die Woche zum gemeinsamen Proben.</p>
<p>Sie juizten bei Hochzeiten, Geburtstagen und auch  Beerdigungen. Inzwischen steht ihre Welt Kopf. Ihre CDs stürmen die  Hitparaden, und der Chor wird mit Anfragen überhäuft. Das Showbusiness  lockt, das verführerische Angebot wird zur Zerrreissprobe. Der Film «Die  Wiesenberger» von Bernard Weber und Martin Schilt ist ein informatives  und liebenswürdiges Dokument über juitzende Bergler, die zwischen  Brauchtum und Showbusiness authentisch zu bleiben versuchen. Während  zweier Jahre haben die Filmer den märchenhaften Aufstieg der  Wiesenberger Jodler vom Säli des Restaurants Alpenhof und der  Bergkapelle Wirzweli auf die Bühnen des Fernsehens und der  Weltausstellung begleitet. Es entstand eine eindrückliche Geschichte von  zwanzig Männern und einer Frau, die im Rausch des Erfolgs versuchen,  die Füsse auf dem Boden zu behalten und gezwungen sind, den Sinn und  Zweck ihres Chors basisdemokratisch immer wieder neu zu definieren.</p>
<p>«Wir  sind Schweizer Meister geworden. Das ist das Grösste», stellt Weisi  Niederberger, Vorstandsmitglied und Schreiner von Dallenwil, erstaunt  und stolz fest, als sie zum Sieger gekürt wurden. Die Geschichte ist  eigentlich ein Märchen: Die gute Fee belohnt die rechtschaffenen Jodler  vom Wiesenberg und ihre bienenfleissige Dirigentin mit dem  grösstmöglichen Erfolg, stellt damit aber gleichzeitig die verschworene  Gemeinschaft vor eine existenzielle Herausforderung: Verkaufen sie ihre  Musik, ihre Seele? Oder gelingt es ihnen, im gleissenden  Scheinwerferlicht des Showbusiness ihren Werten und Traditionen treu zu  bleiben? «Man schaut jahrelang fern, sieht die Stars. Und eines Tages  darf man selber dort stehen und mit ihnen singen. Das ist ein  grossartiges Gefühl», kommentiert Sepp Amstutz, der zweiter Vorjodler  und Gemeindeangestellter von Stans, ihre Entwicklung.</p>
<p><img class="image-inline" height="412" src="../../../../bilder/probe.jpg/@@images/image/large" width="704" /></p>
<p>Entstanden  ist ein Film, der Klischees und Vorurteile unterwandert und mit einer  gehörigen Portion Situationskomik den Hype um Castingshows und  Talentwettbewerbe augenzwinkernd beobachtet. «Unser Fehler war, dass wir  gewonnen haben», stellt Noldi Amstutz, Vorjodler und Landwirt von der  Fruttmatt, fest. Damit wurde die Ausgangslage für den Film dramaturgisch  klassisch: Gewöhnliche Menschen geraten in eine aussergewöhnliche  Situation. Mit ihren eigenständigen Interpretationen von bekannten Pop-  und Schlagertiteln stürmen die Wiesenberger Jodler über Nacht die  Hitparaden, erhalten für ihre Platten Platin und gewinnen im Herbst 2009  in einer TV-Show den Titel des «Grössten Schweizer Hits». Hunderte  Anfragen für Auftritte sind die Folge. Eigentlich bräuchten sie längst  ein professionelles Management. Wahrscheinlich könnten viele von ihnen  vom Jodeln besser leben als vom Kühemelken oder Skiliftbügeleln. Doch  vom grossen Geschäft wollen sie nichts wissen. Um die elektronische Post  kümmert sich die Tochter des Vorjodlers, die CDs verschickt die Frau  von Noldi, dem ersten Bass. Und wenn es um die Terminplanung geht, wird  weiterhin basisdemokratisch abgestimmt: keine fromme Weihnachtstournee,  kein feuchtfröhliches, fürstlich bezahltes Engagement auf einem  Kreuzfahrtschiff, stattdessen wie jedes Jahr ein Konzert im Altersheim.  Bei der Auswahl der Auftritte sorgen wechselnde Allianzen dafür, dass  sich Frust und Lust bei allen Mitgliedern einigermassen die Waage  halten. Das Filmpublikum bekommt durch die beobachtende Kamera einen  Einblick in das Wesen einer mustergültigen Vereinsdemokratie: Es wird  debattiert, gerungen und gestritten und trotz allem immer wieder nach  dem bestmöglichen Kompromiss gesucht. Klar ist nur: Jeder Gig braucht  das absolute Mehr. Politiker und Führungspersönlichkeiten könnten  einiges lernen. So tönt es dann etwa: «Ich komme todsicher nicht mehr  mit. Ich heue dann eure Wiesen», so Andreas Käslin, zweiter Jodler und  Landwirt im Ennetbühl, oder: «Für etwas reisse ich mir den Arsch auf.  Und sonst bleibe ich ganz zu Hause», Noldi Amstutz, der Vorjodler und  Landwirt aus der Fruttmatt.</p>
<p><img class="image-inline" height="403" src="../../../../bilder/bei%20sf.jpg" width="717" /></p>
<p>Auch  am Wiesenberg kommt es erstens anders und zweitens, als man denkt. Auf  dem Höhepunkt des Erfolgs stellt eine Konzertanfrage aus dem  Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten den  Jodlerklub vor eine Zerreissprobe: Die Wiesenberger sollen am 1. August  im Schweizer Pavillon an der Expo 2010 in Shanghai auftreten. «Auf der  Suche nach einem Programmpunkt, der eine authentische, traditionelle und  fortschrittliche Schweiz zeigt, sind wir auf den Jodlerklub Wiesenberg  gestossen», heisst es in der Einladung. 8 zu 8 lautet das erste  Abstimmungsresultat. Der Chor ist gespalten. Es folgt eine weitere  Diskussion. Für die einen ist die Reise nach China der Höhepunkt der  Vereinsgeschichte, für die anderen kommt der fünftägige Ausflug zur  dümmsten Zeit, das Vieh ist auf der Alp und das Heu muss in die Scheune.  China kann warten. Oder eben nicht. Nach einer neuen Diskussion folgt  eine zweite Abstimmung und man beschliesst, zu gehen.</p>
<p>Traditioneller  Juitz oder zeitgemässe Volksmusik: aufbrechen oder stehen bleiben,  bewahren oder Neues wagen? Fragen, die den Chor umtreiben und vor ein  Dilemma stellen, klären und erübrigen sich, wenn die zwanzig Jodler bei  den Proben breitbeinig im Halbrund vor Silvia Windlin, ihrer Dirigentin,  stehen und sich warm singen: «chumm, chumm, chumm». Auf einmal tönt es  auf dem Wiesenberg wie in einem indischen Ashram oder einem  tibetanischen Kloster. «Seit 33 Jahren arbeite ich Vollzeit und ohne  Pause als Lehrerin. Und ich wage zu sagen, dass ich es der Jodelei  verdanke, dass ich noch kein Burnout habe. Für mich ist es wie eine  Therapie, die Arbeit im Chor gibt mir Ressourcen, die für mich eine  Quelle der Meditation und ein Ort der Kraft sind», erklärt die  Dirigentin, eines der Gründungsmitglieder und Lehrerin in Kerns.</p>
<p><img class="image-inline" height="411" src="../../../../bilder/kuehetreibenres_44.jpg" width="732" /></p>
<p>Gegründet  wurde der Chor vor fünfundzwanzig Jahren als eine Art therapeutische  Männergruppe, auch wenn die bodenständigen Sänger vom Stanserhorn dies  natürlich nie so sagen würden. Aber wer die zwanzig Männer zwischen 18  und 71 Jahren beim Einsingen beobachtet und ihnen zuhört, spürt sofort,  dass hier jeder Einzelne für ein paar Stunden den richtigen Ton, den  Einklang sucht. «Die Harmonie muss stimmen», meint Franz Lussi, der  Fotograf, Archivar und «Aussenminister» des Klubs. Jodeln ist harte  Arbeit. Denn unter der strengen Leitung ihrer Dirigentin werden die  Lieder Strophe für Strophe eingeübt. Viele der Sänger haben bei der  Oberlehrerin aus Dallenwil früher mal die Schulbank gedrückt, und der  Respekt gegenüber dieser kleinen, energischen Frau ist mit dem Alter  nicht kleiner geworden. Sie ist eine gnadenlose Drillmeisterin und  toleriert bei der Intonation keine Halbheiten. Doch für die Zwanzig ist  Jodeln mehr als ein Hobby. «Wenn ich auf einen Berg gehe, dann jodle ich  lieber für den Herrgott, statt dass ich ein Vaterunser bete. So danke  ich ihm für den schönen Tag», gesteht Fredy Wallimann, der Komponist der  meisten Lieder, Co-Leiter des Chores und Dachdecker aus Ennetbürgen.  Wenn es die neuen Hüftgelenke zulassen, sucht er sich am Wochenende mit  einer Thermoskanne Kafischnaps und einem Tonbandgerät im Rucksack  irgendwo am Stanserhorn eine gute Echowand und improvisiert dort neue  Jodellieder. Noten lesen kann er nicht. Das Tonband mit den Aufnahmen  bringt er ein paar Tage später in die Chorprobe, wo dann gemeinsam mit  den Kollegen ein neuer Juitz entsteht.</p>]]></content:encoded>
    <dc:publisher>No publisher</dc:publisher>
    <dc:creator>Hanspeter Stalder</dc:creator>
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      <dc:subject>Kunst</dc:subject>
    
    
      <dc:subject>Miteinander</dc:subject>
    
    <dc:date>2012-03-04T12:29:05Z</dc:date>
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