Nel giardino dei suoni

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Ein kleiner, ganz grosser Film

Ein leiser und tief bewegender Dokumentarfilm über die Welt der Töne, Klänge und Geräusche, erlebbar gemacht bei den Therapien von vier behinderten Kindern. – Zu Recht wurde der Film dieses Jahr in Solothurn als bester Schweizer Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Wolfgang Fasser, den der Film porträtiert, ist Musiker, Klangforscher und Therapeut. Durch eine Erbkrankheit hat er als Jugendlicher sein Augenlicht verloren und musste früh lernen, was es bedeutet, in dieser «für Sehende eingerichteten Welt» anders zu sein. Auf dem Weg durch die Dunkelheit entdeckte er die Welt der Geräusche, Klänge und Töne und fing an, seine eigene Lebenserfahrung als Blinder zu nutzen. Heute lebt er in einem abgelegenen Weiler in der Toskana und arbeitet als Musiktherapeut mit Kindern, die aufgrund von Gehirnschädigungen schwer behindert sind. Einige können weder sehen noch sprechen, andere sind gelähmt oder autistisch.

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Der Filmemacher Nicola Bellucci hat mit seiner Crew während zwei Jahren beobachtet, wie Fasser mit Hilfe von Musikinstrumenten, Geräuschen und Tastübungen in geduldiger Kleinarbeit einen Dialog mit den jungen Patienten aufbaut. Er begleitet ihn bei seinen Streifzügen durch die Wiesen und Wälder und lässt die verschiedensten ländlichen und urbanen «Klanglandschaften», die er mit seinem Tonbandgerät aufzeichnet, erleben. «Für mich sind die Tonaufnahmen wie Postkarten. Ich habe nicht das Gefühl, ich sehe nicht, denn ich höre ja», meint er. Seine persönlichen Hörerfahrungen fliessen ein in die Arbeit mit den Kindern. Die Förderung der sinnlichen Wahrnehmung und seine grosse körperliche Nähe stärken bei den Patienten das Vertrauen zu sich selbst und zu andern. Schritt für Schritt erweitern sie ihre motorischen und kommunikativen Möglichkeiten und erkämpfen sich ein Stück Autonomie und Lebensfreude.

Neben seiner Tätigkeit als Musiktherapeut und Physiotherapeut unterrichtet Fasser an der Schule für angewandte Naturheilkunde in Zürich und leitet Unterrichtsgruppen an der Schule für interdisziplinäre, ressourcenorientierte Therapie. Ausserdem spielt er Sopransaxophon in einer Musikgruppe.

Vier Kinder, vier Therapien, vier Begegnungen

Andrea, acht Jahre alt, schwer sehbehindert, geistig zurückgeblieben, ist oft nervös, und schon das Klingeln einer Türglocke kann ihn in Angstzustände versetzen. Er konnte sich lange nicht in Worten ausdrücken. Nun lernt er in einem langwierigen Prozess zu sprechen. – Der 15-jährige Ermanno ist ein autistischer Jugendlicher. Er ist verschlossen, impulsiv und kann ohne ersichtlichen Grund sehr aggressiv werden. Unter Anleitung des Therapeuten arbeitet er mit Klangstäben und Rhythmen. – Die heute 14-jährige Jenny war von einem pränatalen Hirntraume geschädigt praktisch stumm, als ihre Mutter sie zu ihm brachte. Zudem ass sie damals nichts, und ihre Bewegungen waren so spastisch und unkoordiniert, dass sie nicht gehen konnte. Sie hat in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte erzielt, kann nun alleine essen, sich in Worten ausdrücken und einen Computer bedienen. – Die achtjährige Lucia hat schon vor der Geburt als Folge von Komplikationen während der Schwangerschaft schwere Gehirnschäden erlitten. Bis ins dritte Lebensjahr lag sie im Koma. Seither an den Rollstuhl gefesselt, nahm sie ihre Umgebung kaum wahr, redete nicht und konnte sich kaum bewegen. Nach drei Jahren Therapie hat sie begonnen, auf ihre Umwelt zu reagieren.

Für mich hat «Nel giardino dei suoni» die Grösse und das Gewicht so berühmter Sätze wie «Alles wirkliche Leben ist Begegnung.» und «Der Mensch wird am Du zum Ich» von Martin Buber. Und dafür haben Nicola Bellucci (Drehbuch, Regie und Kamera) zusammen mit Daniel Almada (Musik) sowie Pio Corradi und Pierre Mennel die kongeniale Form gefunden.

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