La source des femmes
Der neue Film «La source des femmes» von Radu Mihaileanu handelt von einem wahren Ereignis in einem kleinen Dorf irgendwo zwischen Nordafrika und dem Nahen Osten.
in einem kleinen Dorf irgendwo zwischen Nordafrika und dem Nahen Osten. Hier verlangt die Tradition von den Frauen, das Wasser an der Quelle hoch oben über dem Dorf zu holen. Der Weg dorthin ist anstrengend und hat schon zu Unfällen geführt. Doch eines Tages haben die Frauen genug davon, sich täglich dafür abquälen zu müssen, während die Sonne unerbittlich auf sie herunterbrennt und die Männer gemütlich in den Schenken auf dem Dorfplatz trinken, rauchen und palavern. Die jung verheiratete Leïla schlägt den andern Frauen vor, ihren Männern Sex so lange vorzuenthalten, bis auch sie das Wasser herbeitragen oder im Dorf einen Brunnen bauen lassen.
Erneut legt der vor allem in Frankreich seit «Le concert» erfolgreiche rumänische Filmemacher Radu Mihaileanu ein Werk vor, das zwischen poetischem Märchen, rauer Realität, burlesker Komödie und hintergründigem Drama schwankt. Für diesen Film über einen Sexstreik arabischer Frauen gewann er ein renommiertes internationales Schauspielerinnen-Ensemble, zu dem unter anderem die aus israelisch-palästinensischen Filmen bekannte Hiam Abbass («Miral«, «Lemon Tree», «Free Zone», «Paradis Now» und «The Syrian Bride») zählt.
Die Idee ist nicht neu. Im antiken Athen schrieb Aristophanes mit der Komödie «Lysistrata» sozusagen die Vorlage zu dieser französisch-belgisch-italienischen Produktion. Das Stück thematisiert auf unterhaltsame und dennoch engagierte Weise den Kampf einiger Frauen gegen die Männer als Verursacher von Kriegen und den damit verbundenen Leiden. Getragen von dieser Erkenntnis verschwörten sich die Frauen Athens und Spartas, um endlich Frieden zu erzwingen. Sie besetzten unter Führung der Titelheldin Lysistrata die Akropolis und verweigerten sich fortan sexuell ihren Gatten. Das klassische Stück wurde Vorbild für viele private und öffentliche Sex-Streiks der kommenden Jahrhunderte. So rief vor Jahren in Belgien gar eine Senatorin dazu auf. Und in Kolumbien streikten Frauen wegen der Mitgliedschaft ihrer Männer bei kriminellen Banden. In Liberia wurde ein solcher Streik mit öffentlichen Gebeten und Protestgesängen begleitet. Und in den Philippinen kämpften Frauen mit diesem Mittel gegen Konflikte zwischen den Männern.
Wie bei den andern Sexstreiks geht es auch bei «La source des femmes» nur vordergründig um einen Brunnen und das Herbeischleppen des Wassers, sondern um viel mehr: um die Selbständigkeit und Eigenständigkeit der Frauen, um ihre Rechte gemäss (richtiger!) Auslegung des Koran und der Sunna, um die allgemeinen Menschenrechte und um Gleichheit und Menschenwürde. Der Film erzählt die Parabel leichtfüssig, unterhaltsam und gleichwohl nicht ohne aufklärerischen und emanzipatorischen Impetus. «Einen Liebesbrief an die Frauen» nannte ihn ein französisches Kinomagazin.

