Dharavi – Slum for Sale

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Der Schweizer Dokumentarfilm «Dharavi – Slum for Sale» diskutiert auf hohem Niveau, wie ein Slum in Bombay saniert werden soll, und zeigt an diesem Beispiel, wie komplex und vernetzt jede gesellschaftliche Entwicklung und Planung ist.

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Ein Film, der sich als Crach-Kurs in den Bereichen Erdkunde, Ökologie, Politik und Gesellschaftsentwicklung anbietet für Menschen, denen es nicht egal ist, wie die Welt in Zukunft sein wird.

Bombay, Indiens Tor zum Westen, hat sich neu erfunden und in Mumbai verwandelt. In eine moderne Handelsmetropole, die selbstbewusst Indiens Anspruch auf eine globale Bedeutung verkörpert. Der Magnet für Reich und Arm zieht täglich Tausende von Migranten an, aber nicht alle Hoffnungen erfüllen sich, die Hälfte seiner fast zwanzig Millionen Einwohner lebt in Slums.

Der  grösste dieser Slums heisst Dharavi. Mit seinen rund 800’000 Einwohnern gehört er zu den am dichtesten besiedelten Orten der Welt. Einst ausserhalb der Stadtgrenzen gelegen, befindet sich Dharavi heute im Herzen der ringsum wuchernden Metropole, eingeschlossen von zentralen Verkehrsadern und in unmittelbarer Nachbarschaft zu Mumbais neuem Finanzdistrikt. Das ehemalige Sumpfland hat sich in einen lukrativen Baugrund verwandelt, in eine Spielwiese für ambitionierte Städteplaner.

Lösungsversuche

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Einer davon ist der Architekt Mukesh Mehta. Vor zehn Jahren ist er aus den USA in seine Heimat zurückgekehrt und hat eine Vision mitgebracht: Dharavi soll saniert und  radial umgestaltet werden. Public Private Partnership heisst die Formel, mit der er Milliardengewinne verspricht, falls die Verantwortung für das Schicksal Dharavis in die Hände privater Investoren gelegt wird. Die Regierung ist von Mehtas Projekt überzeugt. Doch die Planer haben die Rechnung ohne die Slumbewohner gemacht. Diese leisten Widerstand und kämpfen für Alternativen. Denn sicher ist bloss, dass sie Arbeit und Heim verlieren, unsicher jedoch, ob sie die versprochenen Sozialwohnungen und Fabriken je erhalten werden. Dharavi wird zum Testfall für ganz Mumbai und für die Welt, in der die Machenschaften des internationalen Kapitals auch vor den Hütten der Ärmsten nicht anhalten. Die Bevölkerung wehrt sich.

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«Dharavi – Slum for Sale» liefert einen politischen Diskurs mit wenigen Antworten und vielen Fragen. Nicht wie Michael Moore und Al Gore, die mit ihren berechtigten und durchaus ernst zu nehmenden Filmpamphleten «Capitalism: A Love Story» und «An Inconvenient Truth» provozieren und aufrütteln, geht Lutz Konermann einen andern Weg. Moore macht es mit Witz und Polemik, Al Gore mit Fakten und Argumenten, Konermann arbeitet argumentativ, dialektisch, versucht einen der Demokratie verpflichteten Diskurs.

Unser Mitwirken als Zuschauer

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Das bewirkt, dass die Zuschauenden die Argumente der einen und der andern Seite hören und verstehen, dass sie während der Dauer des Films ihre Meinung auch ändern können, je nachdem, auf welchem Fundament sie stehen: informativ, politisch und gesellschaftlich. Auch der Schluss bleibt offen, zu komplex sind die Probleme, als dass sie eine einfache Antwort zulassen. Und wenn das Filmpublikum zusätzlich zu Dharavi den Blick auf weitere Länder ausweitet, bleibt schliesslich vieles offen. Doch der Film liefert Argumente pro und contra, mit denen wir persönliche Antworten finden können. Auch hier gilt schliesslich: Der Weg ist das Ziel. Die persönliche Auseinandersetzung mit offenen Fragen ist oft wichtiger als abschliessende Antworten.

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Fragen, die im Anschluss an den Film noch zu diskutieren sind

  • Entwicklung oder Planung?
  • Globalisierung oder Abkoppelung?
  • Markt- oder Planwirtschaft?
  • Mainstream oder Widerstand?
  • Wachsen oder Machen?
  • Vernetzung oder Partizipation?
  • Kleingewerbe oder Grosskonzerne?
  • Evolution oder Revolution?

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