«Träume
sind Schäume», heisst es, wenn man sie nicht versteht oder
wahr haben will. Was sie in Wirklichkeit sind, zeigt sich, wenn sie
Vergangenes interpretieren, Zukünftiges erahnen, in der Gegenwart
das Leben besser leben helfen, wie beispielsweise im Film
«Bellaria». Ein neuer Film porträtiert Elisabeth
Kübler-Ross, die ein Leben lang Sterbebegleitung gelehrt und das
Reich zwischen Leben und Tod beschrieben hat. In den
Kurzhörspielen «Memo-Treff» des Schweizer Radios
werden Geschichten älterer Menschen erzählt und deren
Träume geträumt. ? Und im Widerspruch dazu zeigt Anders
Petersen in Winterthur Fotos einer harten Wirklichkeit, hinter der aber
immer auch Träume spürbar werden.
«Bellaria Solange wir leben!»
Im Herzen
Wiens, hinter dem Volkstheater, steht das Kino «Bellaria».
Es wurde über Jahrzehnte nicht modernisiert und zeigt «so
schöööne» alte Ufa-Filme» wie «La
Habanera», «Es war eine rauschende Ballnacht» oder
«Rosen in Tirol», glücklich machende
Flimmergeschichten, deren Stars Marika Rökk, Johannes Heesters,
Hans Moser, Zarah Leander und Paul Hörbiger heissen. Genau so
wichtig wie der Film sind in den plüschigen Räumen des Kinos
die Rituale der Besucherinnen und Besucher.
Davon
berichtet der humorvolle, mit Liebe und Sympathie gedrehte Film von
Douglas Wolfsperger. Er heftet sich an die Fersen längst
pensionierter Stammgäste, begleitet sie zur Vorführung und
besucht sie zu Hause. Schrullige Anekdoten und schräge
Lebensgeschichten kommen dabei zu Tage.
Eine
Hommage an ein vergangenes Kino, mehr noch an alte Frauen und
Männer, die diese Filme lieben, mit ihnen leben und während
der Vorführung ihr damaliges Leben nochmals leben. Kinozeit als
angehaltene Zeit: die eigene Jugend auf immer und ewig! Auf
eindrückliche und unterhaltsame Weise zeigt der Film, dass wir nur
dann ganz leben, wenn wir nicht nur in der Gegenwart leben, sondern die
Vergangenheit in die Gegenwart hinüber retten.
«Elisabeth Kübler-Ross Dem Tod ins Gesicht sehen»
Die
Schweizer Ärztin Elisabeth Kübler-Ross hatte sich ein Leben
lang mit dem Sterben beschäftigt und wurde damit weltberühmt.
Mit ihrem Engagement hat sie viel zur Enttabuisierung des Todes
beigetragen und «Sterbebegleitung» zu einem
gesellschaftlichen Thema gemacht. Heute lebt die 76-Jährige
zurückgezogen in der Wüste von Arizona, nahe jenem
Übergang, den sie selbst so leidenschaftlich erforscht hat. Im
Zentrum des Films stehen Gespräche mit der «Sterbeforscherin
mit Leidenschaft fürs Leben»: Sie blickt zurück,
erzählt von ihrer Kindheit, ihren (verwirklichten) Träumen,
ihrer Arbeit und davon, wie sie mit ihrem eigenen Altern und Sterben
umzugehen versucht.
Stefan
Haupt dokumentiert mit diesem Werk, sauber recherchiert, vornehm sich
den Menschen und Themen nähernd, dreissig Jahre gesellschaftliche
Auseinandersetzung, aufgezeigt bei der Frau, die das grösste
Verdienst hat an dieser Aufarbeitung. Ein not-wendiger Film!
«Memo-Treff» 2000-2002
Jeden
Donnerstag um 9.40 Uhr gibt es auf Radio DRS1 das Kurzhörspiel «Memo-Treff». Autor ist Hans Suter, in den Hauptrollen sind
Leo Roos, Yvonne Kupper, Ruth Bannwart und Albert Freuler. Sie spielen
aus dem Leben älterer Menschen und treffen ins Herz (nicht nur)
älterer Menschen: in den vorgeführten Situationen, aber auch
den dahinter versteckten Träumen. Alma, Margot, Hannes und Hugo
treffen sich noch immer im Café zum Kaffe, zum Kartenspiel, zum
Klönen, mit und ohne Gebresten, zu viert, zu dritt oder nur zu
zweit.
Die
Hörspiele zeichnen sich aus durch grosse Genauigkeit, sodass wir
Zuhörenden uns darin wieder erkennen. Sie decken verschüttete
oder verdrängt Träume auf. 27 Titel enthält die neue
über zweistündige Doppel-CD, die bei www.radiokiosk.ch
für Fr. 38.00 erhältlich ist.
Anders Petersen
Das
Fotomuseum Winterthur zeigt bis zum 16. März 2003 eine Ausstellung
mit Werken von Anders Petersen unter dem Titel «Ich Dich lieben,
Du mich auch?». Die Fotos, die auch als Bücher erschienen
sind, handeln vom Café Lehmnitz, einer Hamburger Kneipe, wo das
«Leben auf dem Zahnfleisch gelebt wird» (Urs Stahel), von
Menschen am Rande, vom Gefangen-Sein, dem Leben in der Psychiatrie und
vom Alter.
Er zeigt
Wirklichkeiten, die wir gerne verdrängen. Es sind «keine
Bilder aus der Mitte der Gesellschaft, der Normalität des
Bürgertums, aus der ausbalancierten, abgesicherten Schonzone,
dafür Bilder von Rissen, von Zwängen, von Sehnsüchten
und vom Gelächter der Verzweiflung, vom Ernst des nahenden
Todes» (US). Petersens Bildes des Alters sind nicht jene, die wir
uns wünschen, sondern jene, die es trotz Fortschritt, Engagement
und Wissenschaft immer auch gibt, die er uns in einem intimen,
leidenschaftlichen Humanismus vorsetzt.