Filme mit Innenansichten der Jugendgewalt

Kein Tag ohne Medienberichte über Jugendgewalt. Keine Woche ohne eigene Erlebnisse auf der Strasse, im Zug, vor der Schule. Das macht uns als Privatperson betroffen und als Lehrperson oft hilflos. Auch die Schule hat sich damit auseinander zu setzen, und sie tut es mit Intervention und Prävention. Doch für beides braucht es Wissen und Verstehen, Analysen und Hilfen.

An den diesjährigen Solothurner Filmtagen liefen zwei Dokumentarfilme, die uns Bilder, zum Teil Innenansichten der Jugendgewalt zeigten und die Geschichten von Tätern erleben lassen. Sie verhelfen uns zu eigenen Analysen und Einsichten. Sie geben keine Antworten, sondern stellen Fragen. «Faustrecht» von Bernard Weber und Robi Müller führt uns zwei solche «harten Jungen» vor und wir begleitet sie bei ihren Anstaltsbesuchen und Therapien. «Geisendorf» des Sozialpädagogen Frédéric Baillif lässt uns in einer Jugendbande in einem Genfer Park dabei sein und die Einzelschicksale kennen lernen.

«Faustrecht» – Eine Auslegeordnung der Probleme

Die Langzeitbeobachtung «Faustrecht» stellt uns zwei gewalttätige Jugendliche aus dem Balkan, Tim und Gibran, von ihrem 16. bis 18. Lebensjahr vor. Gibran ist ein extrovertierter Charmeur, der Gewalt einsetzt, um seine Ziele zu erreichen. «Ich schlage jeden, der geschlagen werden will, egal ob Mann oder Frau.» Er verbüsst seine Strafe in einer geschlossenen Anstalt, wo er in der Therapie massiv mit seinem Gewaltverhalten konfrontiert wird. Tim ist introvertiert und neigt zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen. Wir begleiten ihn auf seiner Odyssee durch Anstalten und Pflegefamilien, auf der Suche nach «einem ruhigen Plätzchen».

www.faustrecht.ch

«Geisendorf» – Einige Ansätze für eine Prävention

Geisendorf ist der Name eines berüchtigten Parks im Herzen der Stadt Genf. Die Passanten zu belästigen, scheint das erklärte Ziel der dort herumlungernden Jugendlichen, die vornehmlich aus afrikanischen Ländern stammen, zu sein. Sie haben sich zu Banden zusammengeschlossen und treten meist als solche auf. Mit dem Sozialarbeiter und Filmemacher begleiten wir Cedric, Michael, Marvin und Adli, die alle zwischen 17- und 21-jährig sind. Da ihr Verhalten meist weniger gewaltsam, eher provozierend ist, lassen sich, etwa über die Sprache und über den Sport, hier immer wieder Ansätze für eine Verbesserungen erkennen.

www.pointprod.ch

Einblicke, die zu Einsichten führen können

Beide Filme eignen sich für Schul- und Jugendhausteams, um im Rahmen einer gemeinsamen Weiterbildung das Phänomen Jugendgewalt besser erkennen und verstehen zu lernen. Sie bieten Einblicke, lernen uns besser hinzusehen, hinzuhören, wahrzunehmen, um dann gemeinsam in der eigenen Situation mit den aktuellen Ressourcen Lösungen zu erarbeiten. Fragen der Herkunft, der Sprache, der Gruppenbildung, der Arbeit, der Familie, der Geschlechter, der schulischen und beruflichen Leistungen und viele andere mehr können hier anhand dieser Filme seriös diskutiert werden. – Anders als mit dem verlogene neue Schweizer Film «Breakout», der uns aus rein kommerziellen Gründen in der Öffentlichkeit als Beitrag zum Thema angepriesen wird.

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