Die lange Nacht der kurzen Filme: Kurzfilmnacht 2010

Am 16. April startet die Kurzfilmnacht-Tour 2010 von Swiss Films in Zürich. Danach zieht diese bis am 5. Juni nach Basel, Schaffhausen, St. Gallen, Chur, Bern, Luzern und Aarau weiter. Diese lange Nacht des kurzen Films eignet sich bestens zu einem Filmerlebnis der andern Art.

Logo.jpg

Der Kurzfilm ist kein zu kurz geratener Langfilm. Er hat, wenn er gelingt, ähnlich wie die Short Story, eine eigene Dramaturgie. Eine Kurzgeschichte, ein Kurzfilm entsteht, bildlich gesprochen, wenn man mit einer Lampe einen dunklen Raum für ein paar Augenblicke hell erleuchtet. Sie kommen aus dem Dunkel, verschwinden wieder im Dunkel und schaffen dazwischen ein Stück Welt.  Die «Short story» entstand in der englischsprachigen, insbesondere amerikanischen Literatur, bei Edgar Allan Poe, Ernest Hemingway, William Faulkner, Sinclair Lewis und E. A. Poe. Letzterer thematisierte sie auch in seinen ästhetischen Schriften. Im deutschsprachigen Raum wurde die Kurzgeschichte um 1900 aufgegriffen und musste sich zunächst gegen die etablierten Kurzformen wie Novelle, Anekdote und Kalendergeschichte durchsetzen. In der Folge verwendeten sie unter anderem die Autoren des Expressionismus, etwa Alfred Döblin, Robert Musil und Franz Kafka.

Vier Programmblöcke, vier Kinowelten

Kurzfilme in einem Programmblock von je ungefähr einer Stunde oder gar eine ganze Nacht mit vier Blöcken sehen, ist ein besonderes Erlebnis. Es kann gerade auch für ältere Menschen zu einem eigentlichen Bewusstseins-Jogging, analog dem Gehirn-Jogging im Bildungsbereich, werden. Und wenn man dies mit den schönsten und besten Filmen eines Jahrganges machen kann, dürfte dies ein besonders interessantes Abenteuer werden. Denn es heisst, nach wenigen Minuten von einer Tonart in eine andere wechseln, von einem Farbraum in einen andern, von einer Sprachebene in eine andere: von einem «univers» in einen andern. Sieben vorvisionierte Filme aus dem Angebot erlauben mir, zu behaupten: Es lohnt sich! Die diesjährige Kurzfilmnacht-Tour bietet eine Auswahl nationaler und internationaler Kurzfilmperlen.

Im ersten Filmblock mit dem Titel «Schweizer Filmpreis» sind die fünf für den Schweizer Filmpreis «Quartz» nominierten Kurzfilme zu sehen, darunter auch den Gewinner des Preises für den besten Kurzfilm, «Las Pelotas» von Chris Niemeyer.

pelotas.jpg

«Las Pelotas» von Chris Niemeyer

Der zweite Block «Cinema forever» ist eine veritable Hommage ans Kino. Die neun programmierten Filme widmen sich ganz und gar der Filmkunst. Sie interpretieren bekannte Klassiker, vom schlichten Remake bis zur bissigen Persiflage.

dasei.jpg

«Das Ei» von Hans-Georg Anders

Mit fünf internationalen Kurzfilmen wird der Zuschauer im Block «Down under» über die Landesgrenzen hinaus entführt – bis nach Neuseeland und Australien, zwei Länder mit einer besonders reichen und eigenständigen Kurzfilmproduktion.

run.jpg

«Run» von Mark Albiston

Im letzten Block beantwortet Isabella Rossellini, sachlich richtig und dennoch mit einem Augenzwinkern, alle Fragen rund ums Sexleben von Käfern, Insekten und Meerestieren. Mit «Green Porno» hat sie fürs renommierte Sundance Festival eine Reihe von Kürzest-Filmen geschaffen, die zum ersten Mal auf Grossleinwand zu sehen sind, nachdem sie zuvor lediglich übers Internet verbreitet wurden.

greenporno.jpg

«Dragonfly» (Die Libelle) von Isabella Rossellini

Tourdaten und Kinos

Zürich: im Arthouse Le Paris und Arthouse Piccadilly, am Freitag, 16. April 2010

Basel: im kult. kino atelier, am Freitag, 23. April 2010

Schaffhausen: im Kino Kiwi Scala 1 & 2, am Freitag, 30. April 2010

St. Gallen: im Kino corso am Freitag & Samstag, am 7. und 8. Mai 2010

Chur: im Kino Apollo Freitag, am 21. Mai 2010

Bern: im cineCinemaStar & Kino Cinématte, am Samstag, 29. Mai 2010

Luzern: im Kino Bourbaki & stattkino, am Freitag, 4. Juni 2010

Aarau: im Kino Center Schloss, am Samstag, 5. Juni 2010

Traditionsgemäss gibt es in allen Städten zusätzlich zum regulären Programm eine oder mehrere lokale Filmpremieren, zusätzlich Filme von lokalen Autoren  und Autorinnen und Gelegenheit zu Gesprächen mit diesen. Begleitet wird das Programm in jedem Kino bis in den frühen Morgen von einem Gastro- und Barbetrieb. Für die welsche Schweiz und das Tessin folgen Programm-Informationen im Spätsommer.

www.kurzfilmnacht-tour.ch

Artikelaktionen