Liebe und Depression in vier Kinofilmen

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Depressive wie Nicht-Depressive wollen lieben und geliebt werden. Doch jeder Versuch kann ins Glück oder ins Unglück führen. Vier aktuelle Kinofilme thematisieren Liebe als Chance oder Gefahr, als Gabe oder Aufgabe: «Mademoiselle Chambon» des Franzosen Stéphane Brizé, «Yo, también» der Spanier Antonio Naharro und Álvaro Pastor, «How about Love» des Schweizers Stefan Haupt und «Sommervögel» des Schweizers Paul Riniker.

«Mademoiselle Chambon» – Grenzen einer Liebe zu Dritt

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Jean ist ein fürsorglicher Vater und der sympathische Ehemann von Anne Marie. Sein Leben in Familie und Arbeit gerät durcheinander, als er mademoiselle Chambon, der Lehrerin seines Sohnes, begegnet. Dort taucht der wortkarge Mann in eine neue Welt ein. Unbekannte Gefühle werden wach, die ihm bisher fremd waren. Ihr Violinspiel schafft Nähe, dann Sympathie und weckt Leidenschaft und Liebe. Es kommt zum ersten Kuss. Vor dem Hintergrund seines Familienlebens entwickelt sich eine zärtliche Beziehung. Er wird hin- und hergerissen zwischen seiner Partnerschaft und einer «amour fou». Die beiden treffen sich immer häufiger, bis sie plötzlich nach Paris umzieht. Jetzt muss er sich entscheiden! Endet hier die neue Beziehung? Wie geht die alte weiter? Der wunderbare, innige Film zeigt zwei zutiefst Liebende und Liebesbedürftige.

Seine stille Radikalität macht betroffen. Keiner der beiden Liebenden ist schuldig, beide leiden an der Liebe und deren Grenzen. «Liebe und tue, was du willst», schrieb zwar Augustinus, doch was heisst das hier? Stéphane Brizé inszeniert diese Frage in Bildern, Tönen und Sequenzen, die fast zum Stillstand kommt – dass wir Anteil nehmen und sie für uns beantworten.

www.xenixfilm.ch

«Yo, También» – Eine behinderte Liebe

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Mit «Yo, También» zeigen Antonio Naharro und Álvaro Pastor in einer wunderbaren Geschichte die Grenzen der Liebe eines Behinderten und überschreiten sie gleichzeitig. Es wäre eine ganz normale Liebesgeschichte mit glücklichen und schmerzlichen Momenten, wäre da nicht ein winziges Chromosom zu viel. Daniel hat als erster Europäer mit Trisomie 21 ein Hochschulstudium abgeschlossen und beginnt in einem staatlichen Büro für behinderte Menschen zu arbeiten. Seine Kollegin Laura hält ihn für einen Klienten, erst zu spät erkennt sie die Verwechslung. Zum Argwohn der andern werden sie unzertrennliche Freunde. Bei einer Betriebsfeier benehmen sie sich wie ein Liebespaar, doch am Schluss entzieht sie sich ihm, weil sie nicht weiter weiss. Dann zeigt er ihr die kalte Schulter und sie leidet. Sie möchte mit ihm befreundet bleiben, doch Daniel möchte ihr einziger Freund sein.

Auf ihre Frage «Warum muss es denn ausgerechnet sie sein?» antwortet er: «Weil du mir das Gefühl gibst, normal zu sein.» Von den Gefühlen übermannt macht er ihr eine Liebeserklärung, die Laura am liebsten erwidern würde, aber nicht kann. – Wo ist hier die Behinderung der Liebe zwischen den beiden? Bei Daniel, bei Laura? Bei den andern, den Umständen, der Gesellschaft?

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«Sommervögel» – Eine Liebe mit Turbulenzen

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Nach 70 Dokumentarfilmen legt Paul Riniker hier seinen ersten Spielfilm vor, dessen Handschrift hier ebenso intensiv und sensibel ist wie in seinem übrigen Schaffen. Er schildert, nach einer wahren Begebenheit, die heiter-traurige Liebesgeschichte von Res, einem in die Jahre gekommenen Harley-Davidson-Fan, der nach einem Knastaufenthalt auf einem Campingplatz einen Job findet. Direkt neben der Traumwelt von Greta, einer verhaltensauffälligen Frau, die mit ihren 33 Jahren noch bei ihren Eltern wohnt und von diesen wie eine Behinderte überbehütet wird. Sie verliebt sich in ihn, er ist irritiert von ihrer seltsamen Art, doch ihre Geradlinigkeit berührt ihn, Trotz heftigem Widerstand von Familie und Umfeld bahnt sich eine aussergewöhnliche Liebesgeschichte an, die Glück und Unglück, Erfüllung und Verlust bringt. Der Film zeigt, wie schön, aber auch wie schwierig Liebe werden kann.

«Sommervögel» zeichnet sich dadurch aus, dass er, genau wie im wirklichen Leben, das Thema «behinderte Liebe» einbettet in andere Themen und den Übergang von «behindert» zu «normal» absolut fliessen zeigt. – So können wir uns gut mit Greta und Res identifizieren, weil wir immer mitgemeint sind.

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«How about Love» – Partnerliebe oder Nächstenliebe?

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Fritz ist beseelt und besessen von seiner Arbeit als Herzchirurg. Auf Drängen seiner Frau Lena unternehmen sie eine Urlaubsreise nach Thailand, wo sie einen früheren Arztkollegen besuchen, der in einem Flüchtlingslager nahe der burmesischen Grenze ärztliche Versorgung leistet. Von den Verhältnissen tief berührt entschliesst er sich, länger zu helfen, während seine Frau zu den Kindern zurückkehrt. Er kümmert sich mit Hingabe um die Verwundeten im Camp, erhält Einblick in eine radikal andere Realität und taucht ein in diese unbekannte Welt. Während sein Schweizer Leben zunehmend in den Hintergrund tritt, lernt er Say Paw kennen, eine Flüchtlingsfrau, die Erfahrungsberichte anderer Vertriebener sammelt und veröffentlichen will. Zerrissen zwischen den beiden Welten gerät Fritz in einen Strudel der Gefühlen und Verstrickungen, muss herausfinden, was er tun muss und will. Am Schluss findet er eine Lösung, die sein Leben und das seiner Familie nachhaltig verändern wird.

«How about Love» stellt eine Existenzfrage heutiger engagierter Menschen: Wie kann ich in der Ersten Welt eine Partnerschaft leben und gleichzeitig Leid und Elend in der Dritten Welt lindern? «Wir leben unser Leben hier in der alltäglichen Normalität und keine zwölf Flugstunden weit entfernt findet ein völlig anderes Leben statt. Dies gibt ein Gefühl für die Weite dieser Welt, die so viel unfassbarer und vielfältiger ist, als es uns das Schlagwort der Globalisierung glauben machen will», meint Stefan Haupt – das gibt auch uns zu denken, wenn wir den Film ernst nehmen.

www.praesens.com

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