cinedolcevita auf Erfolgskurs
Filme sehen und Gemeinschaft erleben
Allein im Jahre 2011 sind gut zwei Dutzend neue Filme mit Altersthemen in den Schweizer Kinos angelaufen. Entsprechend ist auch die Zahl der älteren Kinobesucherinnen und -besucher grösser geworden. Doch auch dazu gilt weiterhin: «Man geht nicht bloss ins Kino, um sich Filme anzusehen. Man geht vielmehr ins Kino, um mit zweihundert Menschen zu lachen und zu weinen» (John Naisbitt). Genau diese Überzeugung steht hinter den Angeboten des Seniorenkinos cinedolcevita. Mehr über die Geschichte dieser lobenswerten Initiative der Seniorenmedienkultur, die sich europaweit aus dem Bellaria-Kino in Wien entwickelt hat, enthält mein letzter Bericht im Seniorweb.

Aus dem Jahresbericht 2010/11
In den sechs cinedolcevita-Spielstellen Bern, Biel, Solothurn, Thun, Uster und Luzern wurden im vergangenen Geschäftsjahr insgesamt 68 Filme gezeigt, darunter 34 Schweizer Produktionen, gut die Hälfte Dokumentarfilme. Nicht wenige Filmemacher bieten heute ihre neuen Werke ungefragt der Geschäftsstelle an, was darauf schliessen lässt, dass Senioren und Seniorinnen auch von den Filmschaffenden und der Filmwirtschaft ernst genommen werden.
Lizenzen und Eintritte
Zu Beginn des Jahres wurden drei Spielstellen neu zu eigenständigen Lizenznehmern des Vereins cinedolcevita. In Solothurn (cinesol) und Thun (Kinobetriebe Marti) sind nun die Kinoinhaber für die lokale Durchführung, Administration und Finanzen zuständig. In Bern wurde ein Verein für cinedolcevita gegründet. Im Januar 2011 schloss auch der Kinobetreiber von cinevital in Biel eine Lizenzvereinbarung ab. Und auch der Geschäftsführer der Kinepolis Kinos Schaffhausen startete im Oktober seine cinedolcevita-Spielstelle, für welche die «Schaffhauser Nachrichten» ihren Leserinnen und Lesern vergünstigte Eintrittstickets anbietet.
Mit der Ermässigung der Kinoeintrittspreise durch die Berner Kantonalbank stiegen die dortigen Eintrittszahlen. In Biel stehen sie wieder auf dem Stand von 2006, mit durchschnittlich 90 Besuchern pro Vorstellung. In Bern fand man ein neues Publikum, so dass zum Saisonschluss die Unkosten in etwa gedeckt wurden. Solothurn und Thun befinden sich in der gleichen Situation wie die andern Städte: weniger Kinos, weniger gute Filme im regulären Programm, weshalb es nicht erstaunt, dass die cinedolcevita-Eintritte unverändert hoch geblieben sind.
Digitalisierung als Chance
In den Schweizer Kinos geht gegenwärtig ein Zeitalter zu Ende: die Ära der schweren Filmrollen mit den 35mm-Streifen. Auch in der Kinotechnik hält die Digitalisierung Einzug. Kinoclubs jedoch sind weiterhin auf Säle mit 35mm-Projektoren angewiesen, denn die Mehrheit ihrer Filme ist älter. Ab und zu befinden sich sogar 16mm-Filme darunter. Nur neuere Dokumentarfilme, die den Weg nicht ins Kino finden oder das Programm nicht allein füllen, zeigt cinedolcevita als DVD. Erstaunlicherweise sind es oft jene Filme, die beim Stammpublikum das grösste Echo auslösen. Auch Kurzfilme werden immer häufiger auf DVD verfügbar und haben so grössere Chancen, ins Kino zu gelangen.

«Le gamin au vélo» der Gebrüder Dardenne in einer Spezialvorführung
Spezielle Aktivitäten und Vernetzung
Auf Anregung von cinevital wurde der Film «Le gamin au vélo» von Jean-Pierre und Luc Dardenne als cinedolcevita-Spezialvorführung im Vorfeld des Französischen Filmfestivals (FFFH) gezeigt. Der Erfolg war erfreulich: an einem sonnigen Septembertag über hundert Eintritte. Einer weiteren Zusammenarbeit mit dem aufstrebenden Filmfestival steht von cinedolcevita nichts im Wege. Die Sondervorstellung im Rahmen des im Herbst stattfindenden shnit-Festivals in Bern hat sich ebenfalls institutionalisiert. Das Publikum war begeistert vom Kurzfilm, der dieses Jahr gezeigt wurde und zu spontanen und intensiven Diskussionen Anlass gab.
Cinelibre ist der Verband, welcher sich für die Filmpolitik und die kulturelle Vielfalt im Schweizer Kinowesen einsetzt. Vor einem Jahr ist der Verein cinedolcevita dem Verband Schweizer Filmklubs und nicht-gewinnorientierter Kinos, Cinelibre, beigetreten.
Geschäftsaktivitäten
Die Geschäftsstelle des Vereins cinedolcevita, insbesondere die Vereinspräsidentin Eva Furrer-Haller, ist für folgende Tätigkeiten zuständig: Programmation in Bern, Biel, Solothurn und Thun; Kasse und Begrüssung an den Vorstellungen dieser Orte; Steuerung der Zusammenarbeit mit anderen (Alters-)Organisationen; Kommunikation und Marketing; Pflege der Partnerschaften und Sponsoren; Entwicklung der Vereinsaktivitäten; Prüfung und Pflege neuer Spielorte; Finanzen.
Unterstützung beim Aufbau neuer Spielstellen
Im September 2010 fand der Erstkontakt zum Stattkino Luzern statt, im November durfte bereits die neue cinedolcevita-Spielstelle eröffnet werden. Die Vorstellungen waren von Beginn weg gut besucht, so dass der Betreiber schon rasch auf zwei Vorstellungen pro Monat ausbauen konnte. Seit Juli 2011 laufen konkrete Abklärungen zur Eröffnung einer Spielstelle in der Stadt Basel.
Ausblick und Kommunikation
Nach einer Phase raschen Wachstums hat der Vorstand intern die Weichen für die Zukunft gestellt, da die Anforderungen an die gewachsene Organisation in verschiedensten Bereichen stark gewachsen sind. Eine der anstehenden Aufgaben betrifft die Festigung bestehender Partnerschaften und die Suche nach neuen Sponsoren und Werbepartnern, damit die finanzielle Basis weiterhin gesichert bleibt. Interessenten steht die eigene Kommunikationsplattform zur Verfügung, welche Formen der Zusammenarbeit mit den wichtigsten Kennzahlen und Konditionen beschreibt.

